»Ich glaube sie kommen schon,« flüsterte sie scheu und faßte seinen Arm mit allen Kräften.
»Wer, mein Herz? wer?« bat der Mann, der jetzt peinlich besorgt um die Arme wurde, die wie er sich nicht mehr verhehlen konnte mit wachenden Augen phantasirte. »Wer soll denn jetzt mitten in der Nacht zu uns kommen?«
»Mitten in der Nacht? – ja es ist gerade zwölf Uhr vorbei,« flüsterte sie – »das ist die Zeit, in der die schwarzen Männer kommen und mich abholen. – Oh Gott,« seufzte sie dabei – »und jetzt hat mich Alles verlassen – selbst Theodor ist fort und ich allein kann mich ja nicht gegen sie wehren.«
»Aber beste Auguste« rief Bertling bestürzt – »was sprichst Du nur – ich bin ja bei Dir hier.«
»Fort – fort – wer bist Du?« – sagte sie und stieß ihn mit beiden Armen heftig von sich – »was willst Du hier – und wie kommst Du hier herein?«
»Aber ich bin es ja – Dein Theodor – kennst Du mich denn nicht?«
»Deine Stimme ist es – ja,« sagte die Frau, indem sie ihn ein paar Momente ruhig und fest betrachtete – »aber das Gesicht kenne ich nicht – das ist mir fremd – geh fort – geh fort!« und sie warf sich dabei zurück und barg ihr Gesicht im Kissen. Dort lag sie still und regungslos viele Minuten lang und Bertling wußte nicht, was er beginnen sollte. Vorsichtig legte er den Finger auf ihren Arm. – Der Puls ging vollkommen ruhig und eher langsamer als rascher wie gewöhnlich. – Vielleicht schlief sie jetzt ein; er wollte sie wenigstens unter keiner Bedingung stören, setzte das Licht fort, daß es ihr nicht auf die Augen scheinen konnte und ließ sich dann behutsam und geräuschlos auf einem Lehnstuhl nieder, um dort abzuwarten, ob sie noch einmal erwache.
So mochte er über eine Stunde gesessen haben und dachte gerade daran, das Licht auszulöschen und selber wieder zu Bett zu gehen, als er die Frau leise wimmern hörte.
Vorsichtig stand er auf – sie lag noch genau so wie vorher, nur das Gesicht hatte sie mehr nach oben gerichtet, damit sie frei athmen konnte, aber beide Augen hielt sie mit den Händen bedeckt und weinte still und leise.
»Auguste,« sagte der Mann da, indem er wieder zu ihr trat, »was hast Du nur? – Sage es mir – ich bitte Dich darum.«