Sie schien ihn nicht zu hören, aber ihr Weinen wurde heftiger und brach endlich in nicht laute, doch deutliche Klagen aus.

»Fort – fort muß ich von hier, wo ich so glücklich war!« wimmerte sie. – »Ach nur so wenig Jahre durfte ich mit Theodor zusammen sein und jetzt kommen die bösen schwarzen Männer und wollen mich fortschleppen und in die kalte häßliche Erde legen. – Oh was hab ich ihnen nur gethan? – Aber sie hassen mich hier – Alle – Keiner hat mich lieb – Keiner – und der Einzige, der mir gut war, Theodor, hat mich nun auch verlassen.«

»Auguste,« bat Bertling in Todesangst, »Du brichst mir das Herz mit solchen Reden. – Ich bin ja hier – bin bei Dir und werde Dich nie verlassen.« Dabei drückte er sie fest an sich und küßte ihre Stirn aber sie schien jetzt weder seine Worte zu hören, noch seine Berührung zu fühlen. Wieder lag sie viele Minuten lang still und regungslos, und nur das schwere Athmen verrieth, daß sie lebe – endlich fuhr sie leise fort:

»Oh daß Theodor von mir gegangen ist – er war so lieb, so gut mit mir – und ich habe ihn so oft gekränkt, aber es doch nie – nie böse gemeint. – Er mußte es doch wissen, wie ich ihn liebe – und doch ist er fort.«

»Aber ich bin ja bei Dir, Herz – so höre doch nur! hier lege Deine Hand auf mein Gesicht – fühlst Du denn nicht, daß ich bei Dir bin – daß ich Dich nie verlassen werde?«

»Ja – Alle haben mich verlassen,« rief die Frau eintönig – »und jetzt schleichen sich die schwarzen Männer herein und tragen mich fort – und wenn dann Theodor zurückkommt – wie er sich wundern wird, wenn ich nicht mehr da bin! und wie traurig wird er sein, – armer – armer Theodor.«

Bertling war außer sich. Er fühlte, daß alle seine Worte nichts halfen. Die Unglückliche hörte in diesem eigenthümlichen Zustand weder was er sagte, noch fühlte sie den um sie geschlagenen Arm und die heißen Thränen, die auf ihr Antlitz fielen und sich mit den ihrigen mischten.

Wieder lag sie eine halbe Stunde etwa in einem solchen fast bewußtlosen Zustand und mit geschlossenen Augen. Das Licht brannte düster und Bertling schritt leise zu der Lampe, um diese zu entzünden. Er glaubte, daß vielleicht helleres Licht die aufgeregten Sinne eher beruhigen würde. Wie er die Glocke aber wieder aufsetzte, wobei ein leicht klirrendes Geräusch nicht zu vermeiden war, richtete sich die Kranke plötzlich rasch und erschreckt empor und horchte mit weit geöffneten Augen der Thür zu.

»Was hast Du denn Auguste, – Was horchst Du so nach der Thür?« frug ihr Mann um sie zu beschwichtigen. Sie verstand jetzt was er sagte, ja schien ihn auch zu kennen und vergessen zu haben, daß sie früher über seine Abwesenheit geklagt und scheu erwiderte sie:

»Hörst Du denn nicht die Schritte auf der Treppe? – sie kommen um mich abzuholen und unten im Haus steht der graue Mann, der mich auch erwartet. Oh ich wußte ja, daß sie noch kommen würden, wenn es auch schon zwölf Uhr vorbei ist.«