»Aber mein liebes süßes Herz,« bat Bertling, der sich schon dadurch etwas beruhigt fühlte, daß er doch jetzt mit ihr reden konnte. – »Zwölf Uhr vorbei – es ist schon fünf Uhr und die Sonne wird gleich aufgehen.« – Er hoffte sie dadurch, daß er sie glauben mache, es sei Morgen, rascher zu beruhigen. Die Kranke aber schüttelte unwillig mit dem Kopf und rief:
»Täusche mich nicht – es fehlen nur noch ein paar Minuten an halb Zwei – sieh doch nach. –«
Bertling sah unwillkürlich nach seiner Uhr und Auguste hatte vollkommen recht. Sie wußte genau, welche Zeit es war. Ehe er ihr aber noch etwas erwidern konnte, nickte sie ernst und traurig mit dem Kopf und sagte:
»Ja – ja – so muß es sein – Du wirst jetzt oben wohnen und ich unten – und wir werden nie wieder zusammen kommen.«
»Aber, wo willst Du unten wohnen, mein Kind,« lächelte der Mann, der ihre Gedanken abzulenken suchte, – »das untere Logis hat ja der Doktor Pellert gemiethet.«
»Wer spricht denn davon,« sagte sie finster – »in der Erde, mein' ich – wenn sie mich begraben haben. Sie kommen ja gleich.«
»Aber meine Auguste!«
»Und ich war so glücklich« fuhr sie leise, mit zum Herzen dringender Stimme fort – »so unsagbar glücklich – aber nur für eine kurze – kurze Zeit. Jetzt muß es sein und ich will mich auch nicht länger sträuben – ich kann mich ja doch nicht gegen die vier schwarzen Männer wehren.«
»Und bin ich nicht hier Dich zu vertheidigen?«
»Was kannst Du gegen die viere ausrichten!« erwiderte sie kopfschüttelnd, »und sie sind stark – sehr stark. Aber ich habe nicht mehr viel Zeit – hier den Ring nimm mir vom Finger – den schwarzen Ring – den sollst Du Paulinen von mir geben.«