»Aber Auguste.«

»So nimm denn doch den Ring – sie kommen ja,« bat sie mit einer Stimme, die ihm durch Mark und Bein schnitt und es blieb ihm Nichts übrig, als ihrem Wunsch zu willfahren und ihr den Ring abzunehmen; fürchtete er doch sie durch Widerspruch nur noch so viel mehr aufzureizen. Wie er das aber gethan, stürzten ihm selber die Thränen aus den Augen und sie umfassend jammerte er: »Meine liebe – liebe Auguste.«

»Lebe wohl Theodor,« sagte sie da und schlang ihre Arme fest und fast krampfhaft um seinen Nacken – »lebe wohl und tausend, tausend Dank für alles Liebe und Gute, das Du mir gethan. –«

»Aber Du gehst ja nicht von mir – Du bleibst ja bei mir, nie – nie im Leben trennen wir uns mehr,« flüsterte der Mann in Todesangst.

»Es muß ja sein,« tröstete sie ihn leise – »weine deshalb nicht – oh Du hast es ja auch gut – Du kannst draußen im Sonnenlicht, auf der schönen Erde bleiben – aber mich – mich legen sie in das dunkle kalte Grab und ich bin noch so jung – so jung und schon sterben – oh es ist recht, recht hart.«

»Auguste – ich halte das nicht länger aus,« flehte der Mann, dem die Aufregung fast den Athem nahm – »so komm doch nur zu Dir – es ist ja Alles nur ein böser Traum.«

Unten auf der Straße rasselte in diesem Augenblick ein Wagen über das Pflaster; der Schall klang deutlich herauf.

»Da sind sie,« flüsterte die Kranke erbebend – »oh Gott wie schnell sie kommen – wie furchtbar schnell. – Jetzt muß ich fort – oh Gott, oh Gott schon jetzt. Nein ich will nicht – sie sollen mich nicht weg von Dir nehmen – ich will bei Dir bleiben« – und krampfhaft klammerte sie sich um seinen Hals. –

»Du gehst auch nicht fort Herz – nie im Leben lasse ich Dich,« – rief Bertling, – »wir bleiben ja beisammen – oh so komm doch zu Dir. – Hier – hier,« sagte er und griff ein neben dem Bett stehendes Glas Wasser auf, – »trink einmal Auguste – das wird Dir gut thun – trink einen langen Zug – viel – mehr noch, mehr.«

Er hatte sich fast gewaltsam von ihr losgemacht und ihr das Glas an die Lippen gehalten. Wie sie das Wasser daran fühlte nahm sie einen kleinen Schluck und als er es ihr wieder und wieder aufdrang, trank sie mehr, bis sie das ganze Glas geleert. Dabei sah sie ihn mit einem wilden verstörten Blick an.