»Im Ganzen und mit dem, was ich hier noch zu zahlen habe, etwa 20 Thaler, aber 9 davon habe ich mir schon verdient – oh ich bin sehr fleißig gewesen die Zeit über und in den langen Tagen gar nicht aus meinem Zimmer, ja nicht ein einziges Mal an frische Luft gekommen. Nur heute mußte ich ausgehen und war eben im Begriff mir frisches Papier zu holen, denn ich kann nicht gut einen Tag versäumen.«
»Mein lieber Herr,« sagte da der Justizrath, »dagegen werde ich Einspruch erheben. Ihren heutigen Tag müssen Sie mir widmen, aber Sie sollen dadurch nicht zu Schaden kommen. Es gilt hier meine Frau zu überzeugen, daß sie sich durch einen Wahn, durch ein zufälliges Begegnen hat täuschen lassen und wenn Sie mir dazu behilflich sein wollen, so verfügen Sie über meine Casse. Mit Vergnügen steht Ihnen dann Alles zu Diensten, was Sie zu Ihrer Reise und vielleicht noch für sonstige Ausrüstung gebrauchen.«
»Herr Justizrath,« stammelte der Mann.
»Und glauben Sie um Gottes Willen nicht,« setzte Bertling rasch hinzu, »daß Sie mir dadurch zu irgend einem Dank verpflichtet würden; nein im Gegentheil, werde ich mich nachher noch immer als Ihren Schuldner betrachten und sollten Sie je in Verlegenheit kommen, so bitte ich Sie, sich vertrauensvoll an mich zu wenden.«
»Aber war ich nicht selber die Ursache dieses Unfalls?«
»Nein,« versetzte der Justizrath – »in Ihnen repräsentirte sich nur die frühere eingebildete Erscheinung und durch Sie hoffe ich deshalb meine Frau nicht allein zu überzeugen, daß ihre zweite Gespenstervision ein Irrthum war, sondern sie wird, während sie hierin die Täuschung erkennt, auch einsehen, daß das erste Traumbild nur in ihrer Phantasie gewurzelt haben konnte. Also wollen Sie sich mir heute zur Verfügung stellen?«
»Von Herzen gern,« sagte der kleine Mann, der durch den ungewohnten Champagner seine ganze Schüchternheit verloren zu haben schien. »Befehlen Sie über mich und was in meinen Kräften steht, will ich mit Freuden thun, – habe ich doch dadurch auch einen Theil dessen gut zu machen, was ich, freilich vollkommen ahnungslos, selber über Sie herauf beschworen.«
»Gut,« genehmigte Bertling, sich vergnügt die Hände reibend. – »So kommen Sie denn jetzt mit zu meinem Arzt und dort wollen wir das Weitere bereden, wie wir es am Besten anzufangen haben. Den Mittag sind Sie ohnedies mein Gast, wenn wir vielleicht auch noch nicht bei mir zu Hause diniren können. Vorher muß ich aber meine Frau jedenfalls auf Ihre Begegnung vorbereitet haben.«
Siebentes Capitel.
Schluß.
Der Doctor, eben im Begriff seine Patienten zu besuchen, war nicht wenig erstaunt, den Justizrath mit dem erbeuteten und so lange ersehnten Unruhestifter eintreffen zu sehen, nahm aber auch zu viel Interesse an der Sache, um nicht seine eigenen, selbst sehr nothwendigen Gänge für kurze Zeit aufzuschieben und das Nähere mit dem Justizrath zu bereden. Aufmerksam hörte er zunächst den kurzen Bericht an, der ihm über das Zusammentreffen gegeben wurde und die Frage war nur jetzt, wie Auguste mit ihrem leibhaften Traumbild zusammen gebracht werden konnte, ohne ihr einen neuen Schreck zu verursachen, der diesmal dauernde Folgen haben konnte.