Das zeigte sich denn auch nicht so leicht und die Männer überlegten zusammen eine ganze Weile hin und her, wie es am zweckmäßigsten zu arrangiren wäre. Der Justizrath schlug vor, den »grauen Mann« gleich zum Mittag-Essen mit nach Haus zu nehmen, um im hellen Sonnen-Licht jeden Gedanken an den häßlichen Spuck zu zerstören, – aber dagegen protestirte der Arzt.
»Damit setzen Sie Alles auf eine Karte,« rief er heftig aus, »denn Sie können gar nicht wissen, wie sich in dem Geist Ihrer Frau das Bild dieser geglaubten Spukgestalt erhalten oder entwickelt hat; bringen Sie ihr aber jetzt den Mann am hellen Tag, der dann natürlich mit einer höflichen, alltäglichen Verbeugung in's Zimmer tritt, so bürgt uns kein Mensch dafür, daß sie ihn als denselben wieder erkennt, den sie in jener Nacht gesehen und dann ist Alles verloren, denn nachher haben wir kein Mittel weiter, ihr zu beweisen, daß sie sich getäuscht. Unser Pulver ist verschossen und wir müssen der Natur und den Begebenheiten eben ihren Lauf lassen, ohne im Stande zu sein, an irgend einer Stelle hülfreich einzugreifen.«
»Aber was Anderes können wir thun?« rief der Justizrath – »der Gefahr, daß sie ihn nicht wieder erkennt, sind wir ja doch immer ausgesetzt.«
»Doch nicht immer,« sagte der Doctor, der ein paar Minuten mit raschen Schritten in seinem Zimmer auf- und abgegangen war – »ich glaube, ich weiß einen Ausweg.«
»Mein lieber Doctor –«
»Lassen Sie mich einmal sehen,« fuhr dieser fort. – »Jetzt habe ich keine Zeit, denn ich muß meine Patienten besuchen; vor Dunkelwerden können wir aber auch gar nichts in der Sache thun, und bis dahin bin ich in Ihrem Hause und bei Ihrer Frau. Bis dahin aber darf auch dieser Herr Ihrer Frau nicht vor Augen kommen. Speisen Sie zusammen im Hôtel – eine Ausrede ist bald gefunden, machen Sie, was Sie wollen, aber bringen Sie ihn nicht vor der Abenddämmerung in Ihr Haus.«
»Und dann?«
»Dann führen Sie ihn heimlich, ohne daß Ihre Frau etwas davon erfährt, in Ihr Zimmer, zünden wie gewöhnlich Ihre Lampe an, die auch ein wenig düster brennen darf und lassen sich den Herrn dann auf den nämlichen Stuhl setzen, auf dem er an jenem Abend gesessen hat und zwar genau in der nämlichen Stellung, den rechten Arm über der Lehne. – Ich glaube, Sie erwähnten das gegen mich.«
»Ja wohl. –«
»Schön. Sie selber kommen dann zu uns herüber, oder geben mir ein Zeichen daß Alles bereit ist und überlassen das Andere mir. Wollen Sie es so machen?«