Sie sollte aber ihren Nachmittag heute nicht allein verbringen, denn etwa um fünf Uhr kam Pauline herüber. Wenn diese aber auch lachend das Zimmer der Freundin betrat, erschrak sie doch sichtlich über deren bleiches Aussehen, über ihre tiefliegenden Augen und den schmerzlichen Zug um den Mund. Auf ihre theilnehmenden Fragen gab ihr Auguste aber nur ausweichende Antworten; sie scheute sich selbst der Freundin gegenüber das einzugestehen, was ihr die Brust beengte und ihr Herz mit einer wohl unbestimmten, aber nichts desto weniger peinigenden Angst erfüllte und Pauline, die das herausfühlte, war freundlich genug, auf ihren Wunsch einzugehen. Ihr lag aber jetzt besonders daran, die Freundin zu zerstreuen, und ohne daß Auguste es merkte, wußte sie das Gespräch auf das Abenteuer mit der Kartenschlägerin zu bringen. Nicht mit Unrecht glaubte sie, daß jene Aufregung wesentlich dazu beigetragen hatte, sie niederzudrücken, und war das wirklich der Fall, so kannte sie ein Mittel sie wieder aufzurichten.

»Denke Dir nur Schatz,« lachte sie, ganz wieder in ihrer, alten fröhlichen Laune, »ich bin jetzt unserer Kartenschlägerin auf die Spur gekommen.«

»Auf die Spur? – wie so?«

»Oder ich habe wenigstens einen Beweis erhalten, was es mit ihrer Kunst für eine Bewandniß hat.«

»In der That? – aber durch was?« frug Auguste gespannt.

»Du erinnerst Dich doch,« fuhr Pauline fort, »daß ich bei ihr anfragen wollte, wo ein mir gestohlenes Corallen-Halsband hingekommen sei und wo ich den Dieb zu suchen hätte. Sie ließ mich aber die Frage gar nicht stellen, denn jedenfalls hatte sie am Brunnen von unseren Mägden erfahren, daß ich das Halsband vermisse. In den letzten drei Tagen war auch wirklich bei uns von nichts Anderem gesprochen worden, und meine Köchin, wie ich es mir gedacht, schon bei der Alten gewesen, um sie um Rath zu fragen.«

»Also wirklich,« sagte Auguste.

»Du weißt auch, daß sie meinen Verdacht auf irgend eine Dame mit grünen Haubenbändern lenken wollte.«

»Allerdings – hatte sie sich geirrt?«

»Das Komische bei der Sache ist das,« lachte Pauline, »daß gar Niemand das Halsband gestohlen hat, sondern daß ich es heute morgen selber in einer kleinen Schieblade meines Secretairs fand, wohinein ich es neulich, wahrscheinlich in großer Zerstreutheit gelegt.«