»Gott bewahre, folglich konnte die »Dame« mit den grünen Haubenbändern auch nicht der Dieb sein. Jetzt hab' ich der Sache aber näher nachgeforscht und von meinen Leuten erfahren, daß die alte Frau Heßberger eine ganz besondere Wuth auf meine Wäscherin hat, weil diese sie irgend einmal, wer weiß aus welchem Grund, ich glaube wegen Verleumdung, verklagt hat, und die Alte fünf Thaler Strafe zahlen mußte. Die Schusters-Frau scheint eine ganz durchtriebene Person zu sein und ich glaube, es ist sehr unnöthig, daß ihr liebenswürdiger Gatte, während sie ihre Kunst ausübt, geistliche Lieder singt, um den Teufel fernzuhalten, es scheint Alles sehr natürlich zuzugehen. –«
»Aber woher wußte sie –« wollte Auguste fragen, brach aber rasch und plötzlich mitten darin ab.
»Was, mein Herz?« frug Pauline – »etwa das, was sie Dir von einem grauen Mann sagte? Das wolltest Du mir ja heute erzählen und ich bin fest überzeugt, wir kommen der Sache ebenfalls auf die Spur. – Sieh mein Herz, mit all den Geistergeschichten läuft es ja doch jedesmal auf blinden Lärm hinaus, denn auch das was uns die Frau Präsidentin damals als Thatsache von der Kammgarnspinnerei erzählte, hat sich als ein einfacher Betrug herausgestellt.«
»Als Betrug?«
»Gewiß und gestern Abend haben sie die Thäter erwischt. Aber nun erzähle mir auch, was Dich drückt.«
Auguste zögerte noch, aber sie hatte der Freundin einmal versprochen, ihr das Geheimniß mitzutheilen und es that ihr selber wohl, irgend Jemand zu haben, dem sie ihr Herz vollkommen ausschütten konnte. So erzählte sie denn auch jetzt, während der Abend schon wieder zu grauen begann, von der ersten Erscheinung, die sie in ihres Mannes Zimmer gehabt und wollte eben zu dem zweiten Begegnen mit dem unheimlichen Wesen übergehen, als sie laute Stimmen auf dem Vorsaal hörten.
»Die Frau Justizräthin zu Haus?« – Es war des Doctors Stimme, die Magd erwiderte etwas darauf und gleich darauf klopfte es an die Thür.
Es war der Arzt, der seine Patientin zu besuchen kam. Er freute sich übrigens sie so wohl und munter zu finden und meinte, nach ein paar hingeworfenen Fragen: – »Aber wie mir scheint, habe ich die Damen in einer wichtigen Unterhaltung gestört – thut mir leid, aber wir Aerzte kommen oft ungelegen.«
»In einer Unterhaltung,« sagte da Pauline, »die auch Sie angeht, lieber Doctor, denn sie betrifft Augustens Krankheit ebenfalls mit – bitte, erzähle weiter, liebes Herz.«