Es galt also, einen raschen und entschiedenen Entschluß zu fassen, denn dieser Señor Cerro drohte mit einem Bericht an den General Franco, und der mußte vermieden werden. Also überraschte denn der Alkalde die Bewohner Concepcions am nächsten Morgen mit einem Aufruf an die Nationalgarde, und verbreitete dabei — um sich den Rücken zu decken — die Kunde in dem kleinen Ort, daß General Franco Quito genommen habe, jetzt gegen Ibarra vorrücke, und einen Theil seines Heeres über San Pedro und Malbucho an den Bogota senden werde, um sich von der Loyalität seiner Unterthanen zu überzeugen.

Das wirkte wie ein Donnerschlag aus heiterem Himmel für Viele, die bis jetzt geglaubt hatten, der Revolution des übrigen Landes viel zu fern zu sein, um je darunter leiden zu können, und deshalb auch, obgleich im Herzen vollkommen Quitenisch gesinnt, doch General Franco's Partei anerkannten — nur eben der Bequemlichkeit wegen. Aber was ließ sich thun? — Gehorchten sie dem Aufruf nicht, und überschwemmten die Franco'schen Banden wirklich das Land, dann durften sie sich auch fest darauf verlassen, als Mißliebige denuncirt, und von den Freibeutern nach Herzenslust gebrandschatzt zu werden. Wohl oder übel holten sie also alle ihre halbverrosteten Waffen herbei, und um zehn Uhr Morgens lagen vier Canoes mit Bewaffneten, und das fünfte mit dem Alkalden, Señor Cerro, und sämmtlichen Dienern der Gerechtigkeit reisefertig an der Landung, und setzten sich zusammen in Bewegung stromauf.

An ihnen vorbei aber glitt ein anderes, leichtes Canoe, von vier stämmigen Negern gerudert, und am Steuer saß der kleine italienische Schneider, der die Aufforderung, zur Nationalgarde zu stoßen, mit Hohn zurückgewiesen hatte, und jetzt auf eigene Faust die Reise machte.

Als ihn der Alkalde bemerkte, schien er nicht übel Lust zu haben, den kleinen contrairen Fremden zu arretiren, denn es ahnte ihm, daß der Bursche, wenn er vor ihnen einträfe, da oben böses Blut machen würde. Ehe er aber mit seinem Entschluß völlig im Reinen war, passirte das Canoe schon das vorderste des Zuges, und an ein Einholen desselben war nicht mehr zu denken. Daß der kleine, nichtswürdige Italiener aber nicht warten würde, wenn er ihn anriefe, wußte er vorher, und durfte sich auch deshalb nicht einmal mit einem solchen Versuch blamiren.

Des Alkalden Befürchtung war aber auch sehr gerechtfertigt, denn Rigoli hatte kaum von der Anklage und dem Unternehmen der tapferen Ecuadorianer gehört, als er auch augenblicklich beschloß, dem entgegen zu arbeiten. Seine Neger entwickelten dabei einen wahren Feuereifer, ihn vorwärts zu bringen, und am nächsten Morgen mit Tagesanbruch landete er schon in Cachavi, während die schweren Canoes der Bewaffneten, obgleich sie ebenfalls die halbe Nacht gearbeitet hatten, doch endlich beilegen, und Tageslicht abwarten mußten.

Es mochte elf Uhr Mittags sein, als sie das Negerdorf in Sicht bekamen, und sie sahen sich dabei eben nicht angenehm überrascht, die Landung Mann an Mann mit den herkulischen, halbnackten Einwohnern besetzt zu finden, die dabei noch Lanzen, Machetas, Musketen und eine Masse anderer gefährlicher Werkzeuge in Händen hielten.

Was jetzt thun? — der Alkalde wäre am liebsten gleich wieder umgekehrt, und hätte sich damit begnügt, einen Bericht an die Regierung in Guajaquil abzufassen, daß das Land im Aufstande wäre, und General Franco eine Armee zum Schutz der beleidigten Autorität herbeisenden möge — aber Señor Cerro ließ ihn nicht.

»Glauben Sie doch nur nicht,« rief er ihm zu, »daß sich diese sclavischen Hunde ernstlich widersetzen werden — lassen Sie uns hier unten landen, und in geschlossenen Colonnen hinaufmarschiren, und zeigen sie den geringsten Widerstand, so schießen wir das ganze Nest in Brand.«

»Ja, Señor,« sagte der Alkalde verlegen, »aber sie haben nur schon gezeigt, daß sie Widerstand leisten können. Ihre eigene Erfahrung —«