[Sechstes Capitel.]
Der Succurs.
»Hallo, Renard! Noch dunkel hier?« riefen die erst Eintretenden den Franzosen an. — »Was, zum Teufel! treibt Ihr? Ist das Oel ausgegangen?«
»Einen Augenblick, Señores, einen Moment nur!« rief Renard, geschäftig um seinen Ladentisch herumeilend, um Licht zu machen, denn die eine düster brennende Lampe erhellte den Raum nicht zum dritten Theil. »Bin ja selber erst jetzt nach Hause gekommen. Alle Wetter! An solchen Tagen kann man doch nicht daheim sitzen und die Welt eben treiben lassen was sie will.«
»Unseren Alkalden begreife ich nicht, daß er diesen — Señor hier nach Herzenslust wirthschaften läßt,« riefen die Vordersten, als sie von der Frontthüre aus das Haus betraten. — »Es ist schändlich, die arme Frau so zu behandeln. Die hat doch wahrhaftig keinen Hochverrath begangen.«
»Quien sabe, compañero« sagte ein Anderer. »Es passiren wunderliche Dinge in der Welt, und was hätten wir machen wollen? Uns der neuen Regierung widersetzen? — Eine hübsche Bande von Soldaten haben sie mitgebracht und was für ein Gewissen hätten sich die Kerle daraus gemacht, unter uns hinein zu schießen. Renard, ein Glas von Eurem besten Cognac. Mir ist die Geschichte in den Magen gefahren, und ich muß sie hinunterspühlen.«
»Was ist denn vorgefallen, Señores?« fragte Renard neugierig gemacht, indem er die beiden Oellampen rasch angezündet hatte und die Cognacflasche mit Gläsern auf den Ladentisch stellte.
»Ach was? Nichts!« sagte der Postmeister, der von der andern Seite kam. — »Mir auch die Flasche! Nichts, als daß sie diesen Señor Ramos endlich abgefaßt haben und ihn nun mit nach Buenaventura nehmen. Ich habe dem Burschen nie getraut, denn er that immer viel zu geheimnißvoll und wollte mit Keinem von uns Umgang haben.«
»Aber was hat die Frau damit zu thun, Don Gaspar?« redete ein anderer den Postmeister an. »Die und das arme Kind auf ihren schmierigen Schooner und zwischen all' das Gesindel zu schleppen, ist doch mehr als grausam und der Präsident weiß sicher nichts davon.«
»Was geht's uns an? Das ist ihre Sache!« brummte der noch vor wenigen Stunden so wüthende Nationalitätsvertheidiger. — »Wir haben genug mit unseren eigenen Angelegenheiten zu thun.«
»Hülfe, Señores! Hülfe um des Himmels Erbarmen Willen!« rief ein junger Mulattenbursche, der in die Thüre gestürzt kam und sich verstört in dem Raume umsah. — »Meinen armen Herrn, meine arme Señora und das kleine liebe Kind haben sie fortgeschleppt und wollen sie in's Gefängniß stecken! O, helfen Sie, helfen Sie! Señor Ramos so ein guter, braver Mann — so eine gute, brave und schöne Dame! Es ist ja schrecklich!«