»Fort mit Dir, Bursche!« rief er. »Die Zeit vergeht! Wir müssen zum Boot!« Ohne Weiteres das Bettzeug von einem der Gestelle nehmend, trug er es an die Treppe und warf es hinunter. — »Hier, Antonio, trage das!« — Dann griff er das andere auf, hob es sich auf den Kopf, und folgte damit ebenfalls.

Der Soldat wagte natürlich keinen Einspruch. Wie konnte er auch? Daß sein Vorgesetzter den Befehl in die Hand nahm, verstand sich von selbst, und daß es geheißen hatte, er sei desertirt — lieber Gott! an Bord der Schiffe herrschte überhaupt so viel Confusion, daß ein solcher kleiner Mißgriff nicht einmal zu den Unwahrscheinlichkeiten gehörte. Daß aber der Offizier solche Eile hatte, beunruhigte ihn, denn die Soldaten trauten noch immer dem Frieden nicht in der Stadt. War etwas vorgefallen? Wenn sie hier abgeschnitten und beim Plündern eines Hauses gefaßt wurden, konnte es ihnen schlecht gehen. In aller Hast griff er auf, was ihm gerade unter die Hände kam, und folgte den Vorangegangenen, die schon unterwegs nach dem Boote waren.


[Siebentes Capitel.]
Der Commissair in der Falle.

In einer entsetzlichen Lage waren indessen die unglücklichen Gefangenen, die, ganz der Willkür ihres Henkers anheim gegeben, den rohen Scherzen und dem Spott der Soldaten zur Zielscheibe dienen mußten, damit diese sich die müßige Zeit am Ufer vertreiben konnten. Fosca hinderte sie auch nicht daran und Señor Ramos knirschte machtlos seine Zähne zusammen. Er konnte nichts dagegen thun. Mit auf den Rücken gebundenen Händen lag er hinten im Boot, während neben ihm im Heck, die Steuerreeps in der Hand, der Commissair Platz genommen hatte. Die Frau kauerte mit dem Kinde in der Mitte des Bootes, neben ihren dort aufgehäuften Habseligkeiten, und ihre stillen Thränen netzten die Wangen der Kleinen, während sie ihr liebe Worte gab, sie zu beruhigen suchte und ihr Trost zusprach — Trost, der ihr selber fehlte.

Der Commissair war schon fast ungeduldig geworden, denn wenn auch seine eigene Habgier die Leute noch einmal hinauf geschickt hatte, um so viel als möglich mit fortzuführen, fing die Zeit ihm doch an lang zu werden.

Die Soldaten schlenderten indessen am Ufer auf und ab, als einer von ihnen die Ankunft der Erwarteten meldete.

»Nun endlich!« rief ihnen Fosca schon von weitem entgegen. »Das hat lange gedauert. Macht, daß Ihr herein kommt. Aber wozu schleppt Ihr den ganzen Plunder mit herunter? Wer hat Euch gesagt, daß Ihr die Betten mitnehmen sollt? Wir haben ja nicht einmal im Boote Platz. Werft die Lumpen dort auf den Sand und legt nur das Andere herein.«

»Bitte um Entschuldigung, Señor Comisario,« lachte Baptiste, indem er seine Ladung, gegen den Befehl, in das Boot warf und dann Antonio's ebenfalls abnahm und den ersten folgen ließ; »es ist eine alte Regel, beim Ausräumen nichts zurückzulassen, und da die Gefangenen doch unterwegs wahrscheinlich auch schlafen wollen, brachte ich mit, was mir unter die Hände kam.«

»Caramba!« rief der Commissair erstaunt. »Señor Batista? Ich meinte, die ganze Mannschaft sei hinter Ihnen her, um Sie wieder einzufangen!«