»Ein Bursche, der uns heute Abend noch frisches Fleisch herüber liefern soll. Er muß mit an Bord, um den Auftrag zu erhalten.«

Ein eigener wilder Plan zuckte durch des Franzosen Hirn. Noch war es vielleicht möglich die Unglücklichen zu retten, wenn er den größten Theil der Soldaten beseitigen konnte. Aber wie? Gewohnt jedoch, Alles dem Augenblick zu überlassen, sprang er jetzt ebenfalls in das Boot, angeblich um das Gepäck zu ordnen, in Wirklichkeit, um es so zu vertheilen, daß so wenig als möglich Menschen darin sitzen konnten.

Die Gefangenen hatten ihn gar nicht beachtet und noch viel weniger in der Dunkelheit erkannt. Waren doch auch Jahre verflossen, daß sie seine Stimme gehört, die damals, von Krankheit geschwächt, auch matt und hohl genug geklungen hatte. Und wie konnten sie ihn an Bord hier und unter denen vermuthen, die im Begriff waren, ihr ganzes Lebensglück zu zerstören!?

Von oben den Canal herunter kam jetzt das Canoe gerudert und lief im nächsten Augenblick etwa zehn Schritt von dem anderen auf den Sand.

»Hallo! Was ist das für ein Frauenzimmer da drin?« rief der Commissair.

»Die Wäscherin, Señor, die an Bord soll und die ich dort oben fand,« erwiderte Antonio rasch gefaßt, und Ramos zuckte unwillkürlich zusammen, denn jetzt hatte er seines treuen Burschen Stimme erkannt. Aber Baptiste rief, auf die Idee eingehend:

»Zum Henker und wegen der bin ich eine volle Stunde in dem dunklen Nest und drüben an der Punta herumgehetzt! Ich glaubte schon, der Admiral würde mir alle Wetter auf den Hals fluchen, wenn ich sie nicht mitbrächte. Aber hinein hier mit ihr in das Boot! Die darf ich nicht drüben bei den Soldaten lassen.«

»Hier in das Boot geht sie nicht mehr,« rief der Commissair dazwischen. »Caramba! Mann, wen und was wollt Ihr denn nicht noch hereinpacken?«

Baptiste war nicht gesonnen, seinen einmal gewonnenen Vortheil aufzugeben. Jetzt mußte er mit dem Boote fliehen — das war die letzte Möglichkeit eines Erfolges, und da er mit dem Canoe nie hätte wagen dürfen, schwer geladen in die offene See hinauszusteuern, so bot das Boot, so mittelmäßig es auch sonst sein mochte, doch unendlich mehr Sicherheit. Ohne deshalb auch weiter den Befehl des Commissairs zu beachten und das Mulattenmädchen, das schnell an Land gesprungen war, selber in den Bug des Bootes hebend, sagte er:

»Ueberlassen Sie das Alles mir, verehrter Herr! Ich bringe Sie sicher hinüber, denn mir liegt selbst daran, von der Sache abzukommen. Auf einem Kriegsschiff macht man nicht gern den Polizeidiener und Büttel. — He, kannst Du rudern, Bursche?«