Es bedurfte keiner Worte weiter. Ramos begriff ihre Lage besser als irgend ein Anderer, wenn er sich auch noch nicht denken konnte, wer sein Befreier sei. Es war auch keine Zeit zu fragen, und mit einem Stück des Seils, mit dem er selber gebunden gewesen, schnürte er dem noch Bewußtlosen die Glieder zusammen und zwang ihm dann das Halstuch seines Kindes zwischen die Zähne in den Mund.

Sie trieben jetzt, ungefähr noch 120 Schritte von dem nächsten Schiff entfernt, an diesem vorbei.

»Ahoy the boat!« schrie Mr. Culpepper's Stimme von dort herüber. — »Was für ein Boot ist das? Wohin wollt Ihr?«

Keine Antwort erfolgte. Baptiste wußte nicht gleich, was er erwidern sollte, oder fürchtete, sich durch seine Stimme zu verrathen.

»Boot hinab! Rasch! Hinunter mit Euch, Ihr Jungen! Die besten Ruderer hinein und vier Mann mit Gewehren, hinter dem Boot dort her! Gebt Feuer, wenn sie nicht halten und dann rasch wieder geladen!«

Die Worte hallten deutlich von dort herüber.

»Diable!« murmelte Baptiste vor sich hin. — »Mit zwei Rudern kommen wir nicht aus der Stelle. Señor, Sie müssen mit helfen. Rasch, greifen Sie ein Ruder auf, um Ihr Leben. Oder können Sie steuern? Ich habe mehr Kraft.«

»Ich kann steuern,« sagte da die junge Frau, die vor Aufregung zitternd die letzten Vorgänge beobachtet, aber noch nicht gewagt hatte, eine Frage zu thun, ein Wort laut werden zu lassen. Wie ein Traum kam ihr das Ganze vor, und der Uebergang von dem furchtbarsten erdenkbaren Elend und Jammer zu Freiheit und Leben war ihr so überraschend schnell, so unerwartet, nie mehr gehofft gekommen, daß sie noch immer nicht daran glauben mochte. Jetzt aber, wo ihre eigene Kraft und Geschicklichkeit ihnen nützlich werden konnte, brach sie das Schweigen.

»Brav, Señora, brav!« rief Baptiste jubelnd aus. »Das giebt uns ein Ruder mehr. Und jetzt, Teresa, hierher! Weiter zurück, mein Schatz! Der Bug drückt vorn zu viel nieder und wir gehen deshalb zu schwer. Du kannst das Kind nehmen.«