»Aber ich bin stark,« rief das junge Mädchen lächelnd — »hab' kein Sorge, José, ich bringe Dir Hülfe, und wenn Du mir nur versprichst, nie mehr zu trinken, so können wir bald ein neues und schönes Leben beginnen.«
»Oh wie von Herzen gern verspreche ich Dir das, aber — der Weiße giebt mich nicht wieder los, und hat mir schon gesagt, daß er mich, wenn er wieder nach Concepcion zurückgekehrt, an den Padre verkaufen will, und der bekommt immer Recht. — Hält er nicht schon seit sieben Jahren drei Sclaven in seinem Haus, und sind sie je im Stande gewesen, sich frei zu kaufen?«
»Dann gehe ich zu dem Meister Rigoli,« sagte das Mädchen entschlossen — »er ist gut — er wird mir helfen und der Präsident selber nicht leiden, daß sie hier die Gesetze unter die Füße treten, die er zum Besten unseres Stammes gegeben hat. Er will ja keine Sclaven im Lande leiden — alle Menschen sollen frei und gleich sein.«
»Ach Du mein liebes Herz,« seufzte da José, »was weiß der Präsident von uns armen Schwarzen in Concepcion, und ist es nicht gerade einer seiner Offiziere, dem ich angehöre? Glaubst Du denn, daß er mir gegen den beistehen würde?«
»Laß Du mich nur machen,« lächelte aber das junge Mädchen zuversichtlich, »Señor Rigoli bringt Alles in Ordnung, und ich und mein Bruder fahren indessen, so rasch uns die Ruder treiben können, den Strom hinauf, um das Geld zu holen. Stromabwärts geht's ja nachher wie der Wind, und in einem halben Tag bin ich vom Cachavi hier unten.«
»Du treues Herz, — und Alles das meinethalben.«
»Und hier habe ich Dir indessen auch etwas mitgebracht,« fuhr das junge Mädchen fort, indem sie das Tuch zu ihm emporhob. Aber sie fand bald, daß sie es, dickgefüllt wie es war, nicht durch die Stäbe brachte, und begann deshalb rasch es auszupacken.
»Hier,« sagte sie, indem sie ihm die einzelnen Sachen hinein reichte — »sind in ihren Blättern gekochte Bananen — hier etwas geröstetes Schweinefleisch — ich konnte Dir nicht soviel bringen, sie fordern einen so hohen Preis dafür — hier hast Du Erdnüsse und rothen Pfeffer, und die Chokolade habe ich selbst für Dich gerieben und da« — fügte sie leise hinzu — »ist auch etwas Geld. — Es ist nicht viel,« lächelte sie wehmüthig, »aber ich habe ja auch immer gespart und gespart, damit wir dereinst ein kleines Häuschen bauen und uns ein Stück Vieh und ein paar Hühner anschaffen könnten. — Aber schau nicht so traurig d'rein, José — wenn wir beide zusammen arbeiten, gehts ja auch nachher so viel rascher und irgendwo am Bogota oder Santiago wird sich ja wohl noch ein Plätzchen für uns finden, wo wir uns eine Stelle urbar machen können.«