»Ich habe Sie gestört, Señor Alkalde,« sagte der kleine Mann, der den Sturm allein versucht hatte, denn Eva wäre unter keiner Bedingung zu bewegen gewesen, ihm dahinauf zu folgen.

»Das haben sie allerdings, Señor Rigoli,« versicherte der Alkalde mit einem nichts weniger als freundlichen Gesicht, »und die Sache muß in der That sehr wichtig sein, daß Sie einem Manne, der ununterbrochen von schweren Geschäften geplagt ist, die einzige kleine Ruhe seiner Siesta kürzen.«

»Bitte um Verzeihung, Señor,« sagte Rigoli ohne weitere Umstände, »aber die Sache ist allerdings wichtig, denn es handelt sich hier darum, ob wir noch ein Gesetz im Lande haben, oder nicht.«

»Lieber Meister Rigoli,« sagte der Alkalde, durch die Anrede in seiner Laune eben nicht gebessert — »ich bin schon so ziemlich daran gewöhnt, daß Sie sich fortwährend um Sachen bekümmern, die Sie eigentlich gar Nichts angehen. Was ist nun wieder?«

»Die Sache, Señor,« sagte der kleine Italiener gereizt, »geht jeden Bürger an, denn wenn ich unter einer despotischen Regierung hätte leben wollen, so wäre ich lieber in meiner eigenen Heimath geblieben.«

»Sie hätten wirklich besser daran gethan.«

»Meinen Sie?« rief Rigoli ärgerlich, »aber wir wollen uns nicht wieder zanken,« setzte er ruhiger hinzu. — »Die Sache selber ist auch zu ernst, denn sie betrifft unserer Aller Freiheit — die Menschenrechte eines ganzen Volkes, die hier — vielleicht ohne Ihr Wissen — verletzt werden.«

»Da wäre ich doch begierig — aber bitte, wollen Sie nicht Platz nehmen, Señor.«

»Mit Vergnügen,« sagte Señor Rigoli, der sich um Alles nicht hätte etwas vergeben mögen. — »Und nun zur Sache: Sie wissen doch, daß hier ein Neger im Gefängniß sitzt.«