»Ich habe ihn selber einsperren lassen. Er war seinem Herrn entlaufen,« sagte der Alkalde ruhig.

»So besteht also in Ecuador, trotz den dagegen erlassenen Gesetzen, noch immer die Sclaverei?« rief Rigoli rasch.

»Bitte um Verzeihung,« erwiderte der Alkalde — »er ist nicht der Sclave, sondern nur der Diener seines Herrn, bis er diesem die schuldige Summe abgearbeitet hat.«

»Wenn ich also irgend Jemandem ein paar Thaler schuldig bin — oder umgekehrt, Señor Alkalde,« sagte der kleine Schneider, »wenn mir Jemand einen ähnlichen Betrag schuldete, so wäre ich eben so berechtigt, den besagten Herrn in Dienst zu nehmen und ihn — wenn er nicht gehorchte, einsperren zu lassen, wie?«

Der Alkalde bekam einen etwas rothen Kopf, denn die Frage war zu deutlich gestellt gewesen, als daß er sie nicht hätte auf die 52 Dollars beziehen sollen, die er selber dem vor ihm Sitzenden noch schuldete.

»Señor,« sagte er, aber doch etwas verlegen, »Sie vergessen, daß ein solches Gesetz nur für Neger und frühere Sclaven Kraft haben kann; es ist wenigstens noch nie auf einen Caballero angewandt worden, oder könnte auf ihn angewendet werden.«

»Und das nennen Sie eine Republik.«

»Bah, sein Sie vernünftig — einen Unterschied muß es nun einmal in der Welt geben, und wo man keine Schwarze hat, bildet, wie Sie mir selber erzählt haben, ein Theil der Weißen das Proletariat.«

»Aber ich habe gehört, daß jener Señor, der sich einen Francoschen Offizier nennt, und eher aussieht wie ein durchgegangener Schulmeister, die Absicht haben soll, seinen Diener, wenn Sie denn so wollen, zu verkaufen?«