»Er kann ihn nicht verkaufen,« bemerkte der Alkalde kopfschüttelnd, »das würde direkt gegen die Gesetze verstoßen, aber er mag ihn an einen Anderen, der ihm die ausgelegten Gelder zurückerstattet, abtreten

»Danke Ihnen — und ist das etwas Anderes als verkaufen

»Lieber Freund,« sagte der Alkalde, dem das Gespräch unangenehm wurde, »ländlich, sittlich — Sie sind mit unseren Gebräuchen noch zu wenig bekannt, um die inneren Triebfedern zu erkennen, durch welche die Staatsmaschine in Gang gehalten wird.«

»Und nennen Sie eine Umgehung der Gesetze eine innere Triebfeder?«

»Es war ein Irrthum, dessen sich die Gesetzgeber schuldig machten,« bemerkte der Ecuadorianer trocken, »die Sclaverei völlig abzuschaffen, und wir thun nur unsere Schuldigkeit, wenn wir den einmal begangenen und unwiderruflichen Fehler soviel als möglich gut zu machen suchen.«

»Caracho!« rief der kleine Italiener, »das heißt ehrlich gesprochen, und eigentlich hätte ich einen anderen Namen dafür. — Aber damit kommen wir nicht zur Sache. Unter welchen Bedingungen wird der gefangene Neger wieder freigegeben?«

»Sobald er seine eingegangene Schuld bezahlt,« lautete die Antwort. »Derartige Leute benutzen aber höchst selten die ihnen durch unser Gesetz verstatteten drei freien Tage in jeder Woche, um für sich selber zu arbeiten, und ihre eingegangenen Verpflichtungen abzutragen.«

»Und wie kann er arbeiten?« rief Rigoli rasch, »wenn sein Herr die ganze Zeit mit ihm im Lande umherzieht, und ihm die Feiertage nicht einmal anrechnet, um seine Heimath zu besuchen?« — Der Alkalde zuckte die Achseln.

»Das ist allerdings ein Punkt,« sagte er, »den das Gesetz nicht vorgesehen hat, denn ich sehe keine Möglichkeit um einen caballero zu zwingen, ruhig an einer Stelle zu bleiben, damit der ihm verschuldete Diener Geld in der Nachbarschaft verdienen kann.«