»Und wie viel beträgt des Burschen Schuld jetzt?«

»Soviel ich weiß einige vierzig Thaler,« erwiderte der Richter — »jedenfalls über ein Jahrlohn — und wenn es nur ein und vierzig sind, hat er ein Recht ihn zur Arbeit anzuhalten.«

»Und wenn das Geld in einigen Tagen bezahlt wird?«

»Ich weiß doch nicht recht,« sagte der würdige Richter etwas verlegen, »ob der Señor damit gezwungen werden kann, seine Rechte auf die Jahresarbeit des Burschen aufzugeben, denn er hat keine weiteren Zinsen von dem ausgelegten Capital.«

»So? — das wollen wir denn aber einmal sehen,« rief der kleine Italiener, in vollem Ingrimm von seinem Stuhl emporspringend. — »Wenn das die neuen Gesetze sind, die der verdammte Mulattengeneral in unserem Lande geben will!«

»Señor Rigoli,« unterbrach ihn der Alkalde erschreckt, »wissen Sie, daß Sie von unserer höchsten Obrigkeit sprechen, und ich eigentlich gezwungen wäre —«

»Zum Henker mit unserer ganzen Obrigkeit,« beharrte aber der unverbesserliche kleine Schneider, der nicht den geringsten Respekt, weder vor dem Präsidenten noch vor dem Alkalden zeigte. — »Wenn es denn so mit uns steht, dann will ich doch sehen, ob nicht das Volk einmal gelegentlich die Sache in die Hand nehmen kann, und wo Sie dann bleiben, Señor, und der Padre mit Einschluß Ihres Franco'schen Generals, darauf bin ich nachher selber neugierig.«

»Señor Rigoli, Sie werden mich noch zwingen, ernstere Maßregeln mit Ihnen zu ergreifen.«

»Ach Papperlapapp,« sagte der Italiener verächtlich, »drohen gilt nicht, aber das versichere ich Sie, Señor, wird das Geld herbeigebracht, und der Schwarze nicht freigelassen, dann zettele ich Ihnen hier eine Negerrevolution an, die sich gewaschen hat, und dann wollen wir doch einmal sehen, ob wir die Francosche Wirthschaft nicht auch bei der Gelegenheit auseinanderjagen können.«

»Señor Rigoli!« rief der Alkalde und fuhr aus seiner Hängematte in die Höhe, aber der kleine Italiener nahm keine Notiz mehr von ihm, stülpte seinen Hut auf und verließ ohne Weiteres das Haus.