[Drittes Capitel.]
Die Canoefahrt.
In ängstlicher Furcht hatte indessen das arme Negermädchen unten auf den Erfolg der Unterredung gewartet, und die lauten, ärgerlichen Stimmen oben konnten sie wahrlich nicht dabei beruhigen. — Jetzt endlich kam der weiße Mann zurück — aber er sah erhitzt und ärgerlich aus. Sie wagte nicht einmal ihn zu fragen, welche Hoffnung sie fassen dürfe. Der kleine Italiener ließ sie aber nicht lange in Ungewißheit.
»Nimm Deinen Bruder, Schatz,« sagte er, »und mache daß Du nach Cachavi zurückkommst und Dein Geld holst — ich würde es Dir selber borgen, aber die Lumpen hier zahlen so schlecht, daß man kaum landesübliche Münze genug für Bananen und Chocolade im Haus behält. Hast Du ein Canoe?«
»Noch nicht, Señor,« sagte das Mädchen schüchtern; »aber die Señora Bastiano borgt mir gewiß das ihrige.«
»Gut dann; Du könntest meines kriegen, aber am Bug ist ein Stück herausgebrochen, und muß erst wieder gemacht werden — das soll aber jetzt gleich geschehen, denn ich weiß nicht, wie bald ich es selber brauchen werde. Wann willst Du fort?«
»Gleich, Señor — der Weg ist weit,« sagte das junge Mädchen, »sobald ich nur das Canoe habe.«
»Noch eins — wie viel Geld hast Du denn eigentlich, Schatz?«
»Es werden wohl 46 Dollars sein,« erwiderte zitternd das arme Kind — »glauben Sie, daß es genug ist, um den armen José zu befreien?«
»Genug? sicher!« rief der kleine Italiener, sich vergnügt die Hände reibend — »und sag' dem Alkalden in Cachavi nur, zu welchem Zweck Du es willst, und daß sie hier Deinen Liebsten als Sclaven halten, dem Gesetz zum Trotz. — Und wenn Du zurückkehrst, so komme gleich zu mir, und ich bringe die Sache in Ordnung, darauf kannst Du Dich verlassen. Verstanden?«