»Der Teufel trau' ihm!« rief Rigoli heftig aus — »möglich ist's, aber sicher in keinem Fall, denn was ich mir über die Sache denke, so ist dieser vorgebliche Franco'sche General weiter Nichts als ein ganz gewöhnlicher Landspeculant, der die Gegend hier abschnüffeln will, ob er irgendwo einen vortheilhaften Kauf machen kann, ohne Schwielen dabei in die Hände zu bekommen. Wenn er den José aber hier nicht an den Padre abtreten darf, so verkauft er ihn unterwegs, wo er die erste beste Gelegenheit bekommt, und ein paar hundert Dollars daran verdienen kann. Die nöthigen Papiere sind ja leicht genug fabricirt, und wenn er dem armen Jungen, der natürlich weder schreiben noch lesen kann, etwas von baldiger Freiheit vorschwatzt, malt der sein Zeichen unter irgend einen Wisch, den er ihm vorlegt.«

»Armer José,« hauchte das zitternde Mädchen.

»Wenn wir einen anderen Alkalden hätten, als diesen Holzklotz von einem Menschen,« zürnte der kleine Italiener, »so wäre so etwas ganz unmöglich gewesen. Aber mache einmal etwas gegen diesen — ich hätte bald was gesagt. Er blieb dabei, daß kein Gesetz des ganzen Staates irgend einen weißen und freien Mann zwingen könne, seine Reise aufzuschieben, und fort ist er jetzt an den Pailon — ich hab' ihn nicht halten können.«

»Und wenn ich ihm dort das Geld für José brächte,« rief das Mädchen plötzlich, von einem neuen Gedanken ergriffen, »müßte er ihn dort nicht frei geben?«

»Hm,« sagte Rigoli — »aber Du kannst nicht allein an den Pailon gehn — Du kennst ja Niemand dort.«

»Die Señora Bastiano fährt heute oder morgen dorthin ab. Sie befahl mir ihr Canoe rasch zurückzubringen, weil sie es für die Reise brauchte. — Sie nimmt mich mit — und ist auch bekannt dort und geachtet —«

»Geachtet? — hm,« sagte der kleine Schneider, der seine ganz eigene Idee darüber hatte, wie geachtet die dicke Negerin wohl in der, jetzt von lauter Fremden besetzten Ansiedlung sein würde. Aber er mochte dem armen Kinde auch das Herz nicht unnöthiger Weise vielleicht schwer machen und sagte endlich:

»Nun, versuchen kannst Du's immer, Schatz — Schaden wird's nicht thun, ob's Dir aber hilft — Gott weiß es. Säßen wir hier nur nicht so weggesetzt aus der Welt, ich ginge — straf mich dieser und jener, meiner Seel' selber zum Präsidenten, und wenn es selbst dieser blutige Franco wäre, und schenkte ihm einmal ein Glas reinen Wein ein; aber von hier aus müßte ich erst nach Tomaco in Neu-Granada, und dort auf das Dampfboot passen, und wo das Geld dazu hernehmen, wo keiner der hiesigen Lumpe Geld genug im Sack hat, auch nur den Stoff für seine Hosen zu bezahlen.«

»Lebt wohl, Meister Rigoli,« sagte Eva herzlich — »und habt Dank — vielen Dank für die Mühe, die Ihr Euch meinetwegen gegeben. Ich werde es Euch nie vergessen.«

»Bah Mädel,« sagte der kleine gutmüthige Mann, »reden wir nicht weiter davon. Ich wollte ich könnte Dir mehr helfen. Aber laß gut sein, jetzt — geh erst mit Deiner dicken Señora an den Pailon, und wenn Du dann zurückkommst und Nichts ausgerichtet hast —«