Die Begleitung Eva's war ihr dabei ganz angenehm, denn wenn sie auch selbstverständlich ein Mädchen zur Bedienung mitnahm, sahen zwei doch besser und anständiger aus, und Eva dankte Gott, als sie endlich im Canoe saßen, das von zwei starken Negern gerudert wurde, und sie nun unterwegs waren. Rückten sie doch nun auch mit jedem Ruderschlage ihrem Ziele näher. Sie selber wollte auch gleich mitarbeiten, aber das litt die Señora nicht.

»Laß Du das nur die Leute thun, mein Kind,« sagte sie freundlich, aber bestimmt. »Die haben Mark in den Knochen und bringen uns schon rasch genug vorwärts, ob wir ein paar Stunden früher oder später an den Pailon kommen, bleibt sich doch vollkommen gleich. Du kriegst Deinen José.« Damit war die Sache abgemacht.

Das Canoe war ein breites, sehr bequem hergerichtetes Fahrzeug, aus dem Stamm eines der mächtigen Waldriesen dieser Gegend ausgehauen, mit flachem Boden, daß es nicht so leicht umschlug, und um ihm noch größere Sicherheit zu geben, mit ein paar schwachen Balsastämmen[B] an beiden Seiten. Den dritten Theil des ganzen Canoes deckte dabei eine laubenartige Hütte, gerade hoch genug, daß man bequem, und ohne anzustoßen, darunter sitzen konnte. Sie war einfach durch gebogene und am Canoe befestigte Bambusstäbe hergestellt, über welche die breiten Blätter der wilden und keine Frucht tragenden Banane gelegt und festgesteckt wurden, und so dicht, daß sie nicht allein die Sonnenstrahlen verhinderten durchzubrechen, sondern auch einen recht tüchtigen Regenschauer abhalten konnten, — und auf beides mußte man in diesem Klima gefaßt sein.

In der Mitte der Laube nun, auf einer Anzahl von weichen Matten, saß die Señora, zu ihren Füßen kauerte die mitgenommene Dienerin, und wenigstens des Steuers hatte sich Eva bemächtigt, um doch etwas beitragen zu können, zur Beschleunigung ihrer Reise.

So ruderten sie mit der nicht unbedeutenden Strömung — nachdem der Abschied am Ufer von einer Anzahl anderer würdiger Damen auch noch einige Zeit in Anspruch genommen — rasch vorwärts, und wie ein wechselndes Bild von Palmen, Bananen und mächtigem Urwald, der seine Riesenzweige bis weit über das Ufer hinausstreckte, glitt die Landschaft an ihnen vorüber.

»Siehst Du das Haus dort, an der rechten Uferbank, Eva?« frug da die alte Dame, nachdem sie etwa eine Stunde so gefahren waren, »wo die vielen Orangen stehen?«

»Si Señora.«

»Fahre dort an die Landung.«

»Wollen wir halten?«