Jetzt ein leiser, leichter Schritt durch den Wald; eine Tigerkatze vielleicht, die auf Beute ausging, und scheu die fremde, aber auch gefürchtete Witterung umschlich, die sie bekommen, und nun — Eva fuhr entsetzt von ihrem Lager empor, ein lautes Prasseln und Brechen durch die Zweige, und gleich darauf ein schmetternder Schlag, der den Boden selbst erbeben machte, aber ihr drohte keine Gefahr. Nur einer der alten Waldriesen, der vielleicht Jahrtausenden getrotzt, war niedergebrochen, in seinem Fall das ganze, ihm im Wege stehende Unterholz mit sich zu Boden reißend. Die Affen wurden wieder laut und schnatterten und klagten, und die Eule antwortete mit ihrem monotonen, hohlen Ruf dem dumpfen Fall des niedergebrochenen Baumes.
Das junge Mädchen sank wieder auf ihr Lager zwischen den alten Wurzeln zurück, und wenn es sie auch jetzt in dem dünnen, nassen Zeug, trotz der warmen Nacht, anfing zu frösteln, drückte sie sich doch in Moos und Blätter hinein, und war bald sanft und süß eingeschlafen.
Kaum eine Legua von ihr in der Trocha, an einer der schon früher errichteten und mit Palmenblättern gedeckten Ranchos hielt an dem nämlichen Abend Señor Cerro, um dort zu übernachten, und warf sich, als er die Stelle erreichte, todesmüde unter einen Baum, daß seine Leute indessen den Schlafplatz wieder herstellen konnten.
Ein ziemlich starker Baumast war nämlich in der Zeit, in der er nicht gebraucht worden, auf den Rancho gestürzt, und hatte ein Paar von den Stangen zerbrochen und einige Blätter geschädigt. Außerdem mußte auch das alte Laub, was zur Lagerstatt gedient hatte, hinaus- und fortgeschafft werden, ehe sich der Weiße hineinwagte, denn wer wußte, ob es nicht Schlangen, Centipeden, und welches andere Ungeziefer noch beherbergte.
Señor Cerro war gerade nicht bei guter Laune. Er hatte unterwegs einen Affen zu ihrem Abendbrod schießen wollen, dem flüchtenden Trupp aber nicht so rasch nachkommen können, und wie er ihnen im Dickicht den Weg abzuschneiden suchte, war er mit dem Gewehr gestürzt, daß an diesem der Schaft abbrach.
Einer der Mulatten versuchte zwar, ihn mit Bast wieder zusammenzuschnüren, aber es ging nicht, er bekam keinen Halt, und mißmuthig ließ der Ecuadorianer endlich die doch jetzt nutzlose Waffe zu dem übrigen Gepäck in einen der Körbe legen.
Seine drei Diener gingen indessen rüstig daran, das Lager wieder in Ordnung zu bringen, und der Eine von ihnen nahm die Axt und fällte ein paar junge, gut bewipfelte Palmen, während der Andere mit seiner Macheta die einzelnen langen Blätter abhieb.
José, der arme Bursche und Leibeigene seines strengen, mürrischen Herrn, faßte dann das Mittelblatt an der Spitze, riß es von einander und trat zwischen die Hälften, bis er das Hauptblatt dadurch in zwei völlig gleiche Theile schied, die dann sowohl dazu dienten, das Dach des Ranchos wieder auszubessern, als auch zu Schlafmatten verwandt werden konnten. Diese wurden zum Rancho geschleppt und sorgfältig ausgebreitet, und in kaum einer halben Stunde war die Wohnung für diese Nacht wieder völlig regendicht und mit einer neuen Matratze versehen auf's Neue hergestellt.
Der älteste Mulatte hatte indessen noch eine andere stärkere Palme umgehauen, deren Wipfel er von einander hieb, um zu dem Herz oder Kern zu gelangen, denn diese Stelle enthielt ein schneeweißes, vortreffliches Mark, das ausgezeichnet schmeckte und recht gut als Gemüse dienen konnte.