José packte indessen aus dem Provisionskorb den er unterwegs zu tragen hatte, die für den Herrn mitgenommenen Lebensmittel, scharf geröstetes Schweinefleisch und in Fett hart gebratene Bananenscheiben, sowie einige getrocknete Fische aus, und stellte den eisernen Topf zum Feuer, um die Chokolade darin zu kochen.
Es war aber plötzlich vollständig dunkel geworden, und der Ecuadorianer hatte sich auf die am besten ausgepolsterte Seite des Rancho geworfen und suchte die Beendigung der Mahlzeit durch Flüche und Verwünschungen zu beeilen. Um die Langeweile indeß zu tödten, fing er die einzelnen großen Leuchtkäfer, die von dem Feuerschein herbeigelockt, herüber und hinüber durch den Rancho schwirrten, drückte ihnen die Flügeldecken auseinander, daß der darunter leuchtende hellgelbe Punkt deutlich zum Vorschein kam, und mit den beiden grün schimmernden Kugeln, welche die schönen Thiere am Kopf trugen, wie Edelsteine erglänzten. Dann band er sie neben einander an eine der Querstangen des Rancho, so daß sie ordentlich Licht darin verbreiteten, und ließ die armen Thiere dort in all ihrer Pracht sich abzappeln und quälen, bis mit ihrem Tod auch der Feuerschein erlosch.
Aber selbst dieses Licht genügte ihm nicht, seine endlich fertige Mahlzeit dabei zu verzehren, denn während er aß und die beiden Mulatten ihre eigenen Vorräthe heraussuchten, mußte José eine kleine Fackel von zusammengeknetetem Gummi elasticum halten, die ein zwar dunkelrothes aber doch vollkommen helles Licht verbreitete, und — als der Herr endlich abgespeist, wieder ausgelöscht und in ein Blatt gewickelt wurde, um bis zum nächsten Abend aufgespart zu werden.
Die Diener mochten ihre Mahlzeit beim Schein des Feuers verzehren, oder im Dunklen, wie sie wollten.
Seine Decken waren indessen für den Herrn ebenfalls ausgebreitet worden, und eine zum Daraufliegen, die andere zum Hineinhüllen benutzend, war er bald sanft und fest eingeschlafen.
Am nächsten Morgen dämmerte kaum der Tag, als José schon wieder emsig beschäftigt war, das Feuer frisch anzufachen, das ein gegen Morgen gefallener Regenguß völlig ausgelöscht hatte. Er trug zu dem Zweck die trockenen Hülsen einer reifen Cocosnuß bei sich, die wie Zunder fangen und die Gluth bis zur letzten Faser hartnäckig halten. Es war übrigens kein leichtes Stück Arbeit, in diesem nassen Walde, wo Alles bis in das Mark hinein von Feuchtigkeit durchdrungen ist, ein helles Feuer anzufachen, und er gebrauchte eine lange Zeit dazu. Indessen der Herr schlief ja noch, und endlich hatte er es so weit, um den Chokoladentopf wieder an die Gluth setzen zu können. Die Sonne war aber schon lange über den Horizont herauf, als er damit zu Stande kam, und da sich die beiden Mulatten ebenfalls nicht sonderlich beeilten, ihre Morgenruhe zu unterbrechen, war es fast acht Uhr geworden, ehe sie wieder an den Aufbruch denken konnten.
Aber ihr Ziel lag nicht mehr weit. Kaum eine halbe Stunde bequemen Marsches brachte sie an das Ufer des breiten Bogota, und sie fanden hier schon, nachdem sie zuerst ein häßliches Bambusdickicht passirt waren, einen ziemlich großen und freien Platz ausgehauen, der selbst vom Fluß aus deutlich sichtbar war, und die Stelle künden sollte, an welcher die Trocha ausmündete.
Aeußerst vorsichtig schritten aber die Diener über jene Stelle, welche durch den Bambus ausgehauen war, denn den zwar kleinen, aber furchtbar harten und scharfen Dornen, welche an dessen Auszweigungen sitzen, und mit denen der Boden hier bestreut war, boten selbst ihre harten, aber nackten Sohlen nicht hinlänglich Widerstand. Den Lagerplatz dagegen hatten die früher hier Gewesenen vollständig abgeräumt, und es war dort sogar ein großer Rancho gebaut, um unmittelbar am Ufer übernachten zu können.
Schon von Weitem konnten die Wanderer die breite und offene Lichtung im Walde und damit das erste Ziel ihres beschwerlichen Marsches erkennen, denn dort auf dem Strome lag der Sonnenstrahl, der nie in diese dichten Wälder drang, und es war ein ganz eigenthümlich wohlthuendes Gefühl, mit dem sie den offenen, freien Platz betraten.
Der Guajaquilene schien sich aber am wenigsten diesem Genuß hinzugeben, denn so bequem er bis jetzt seinen Weg verfolgt hatte, so rasch sprang er nun an das Ufer und schien dort ein Canoe zu suchen, das, wie man ihm am Pailon gesagt, dort angebunden liegen sollte. Aber nirgends war ein dem ähnliches Fahrzeug zu erblicken, und gerade dort, wo die Trocha am Ufer des Bogota ausmündete, lag weder an dieser, noch an der anderen Seite ein besiedelter und dann auch bewohnter Platz. Wald, dichter, undurchdringlicher Wald deckte beide Ufer, und noch viel dichter in der unmittelbaren Nähe des Wassers, als weiter zurück, denn hier war er noch mit Bambus und Schling- und Schmarozerpflanzen verwachsen.