Als der Obergärtner kommt, sieht er, daß die Verwüstung noch größer als das vorige Mal ist. Während er sich auf den Jungen stürzen will, um ihn zu schlagen, rufen die Prinzessinnen ihm zu und ermahnen ihn, den Jungen nicht zu schlagen. Nach einigen Tagen nimmt der Obergärtner wieder einen Strauß Rosen und ermahnt den Jungen gehörig und geht weg. Der Junge verwüstet wieder wie das vorige Mal den ganzen Garten, sodaß kein Zweig im Garten bleibt. Der Obergärtner kommt wieder und sieht, daß im Garten nichts ist. Sofort ruft er den Jungen und jagt [[87]]ihn aus dem Garten. Der Junge macht, daß er davon kommt, geht zu einem Goldarbeiterladen und sagt: „Ach, Meister, nimm mich als Lehrling an.“ Der Goldschmied sagt: „Mach, daß du davon kommst, grindiger Junge, was sollte ich mit dir anfangen.“ Der Junge sagt: „Ach, Meister, laß mich wenigstens Kohlen auf dein Kohlenbecken legen.“ Da er so fleht, nahm der Meister ihn als Lehrling an und ließ ihn dort wohnen.
Als vorher die Mädchen ins Schloß gekommen waren, war die Zeit für die Hochzeit angesetzt, aber sie waren damit nicht einverstanden und sagten: „Wir haben alle vierzig Tage Trauer.“ Deswegen war die Hochzeit verschoben. Als sie merkten, daß der Prinz wieder auf der Erde war, wurde wieder der Befehl zur Hochzeit gegeben, aber da die Mädchen noch nicht ganz sicher waren, ob der Prinz gekommen wäre, sagte die eine: „Ich verlange einen goldenen Stickrahmen und eine goldene Nadel, die von selber sticken kann.“ Die andere sagte: „Ich verlange eine goldene Platte, auf der ein goldenes Huhn und vierzig Küchlein goldene Gerste fressen und umherlaufen.“ Die dritte sagte: „Ich verlange eine goldene Platte, auf der ein goldener Jagdhund und ein goldener Hase ist, der erstere muß den anderen verfolgen.“
Der Padischah rief die Goldarbeiter und befahl ihnen dies anzufertigen. Die Goldarbeiter dachten nach und verlangten vierzig Tage Bedenkzeit. Der Padischah gab ihnen auf ihr Verlangen vierzig Tage Zeit und sagte: „Wenn ihr am einundvierzigsten Tage die Sachen nicht bringt, töte ich euch“ und entläßt sie in ihre Läden.
In ihren Läden angekommen, mögen sie nun einen Rat abhalten. Wir kommen jetzt zu dem grindigen Jungen. Er fragte: „Meister, warum denkst du nach und bist so besorgt?“ Der Meister sagte: „Ach, geh, grindiger Junge, wenn ich nicht nachdenken soll, wer soll denn nachdenken?“ Er bat: „Ach, Meister, lieber Meister, worüber denkst du nach, sage mir es doch.“ Der Meister antwortete: [[88]]„Frage mich nicht mehr, unsere Sache steht bei Gott. Nämlich die Söhne des Padischahs haben drei Mädchen mitgebracht. Eine jede verlangt etwas. Wie wir das machen sollen, weiß ich nicht.“ Der grindige Junge fragte: „Ach, Meister, was ist es? Sage es doch mal.“ Da sagte er: „Ach was, die eine verlangt einen goldenen Stickrahmen und die andere einen goldenen Hasen und die dritte eine goldene Henne. Alle sollen lebendig sein. Wie ist das möglich?“ Darauf antwortete er: „Aber Meister, ich glaubte, es handele sich um etwas Unmögliches. Darum habe ich gefragt. Wegen solcher Sache sei doch nicht bekümmert. Gib mir einen Zentner Haselnüsse und einen Zentner Rosinen und vierzig Okka Lichte, dann werde ich dir in vierzig Tagen das, was du verlangst, machen.“ Sein Meister sagte sich: „Das Herz des Jungen verlangt Haselnüsse und Rosinen. Ich würde meinen Kopf und meine Augen für ihn hingeben.“ Dann kaufte er die Sachen und gibt sie ihm.
Der Junge geht in sein Zimmer, läßt keinen zu sich herein, bleibt dort vierzig Tage, ißt die Haselnüsse und Rosinen, verbrennt die Lichte und lebt vergnügt. In der Nacht auf den vierzigsten Tag reibt er wieder die Haare an einander. Ein Mohr kommt und sagt: „Befiehl, mein Prinz. Was wünschst du?“ Der Prinz sagte: „Ich verlange den in dem Laden befindlichen Stickrahmen, den goldenen Hasen und den goldenen Jagdhund und die goldene Henne.“ Auf diesen Befehl hin geht der Mohr, holt die Dinge und gibt sie dem Prinzen. Der Prinz nimmt die Sachen und verwahrt sie im Schranke. Am Morgen kommt sein Meister und sagt: „Was hast du gemacht, grindiger Junge?“ Der grindige Junge sagt: „Was fragst du mich, öffne den Schrank und sieh zu.“ Sogleich öffnet der Meister den Schrank und sieht, daß alles vorhanden ist. Da sagt er: „Ach, mein Sohn“ und fällt ihm um den Hals. Schließlich nimmt er alles und bringt es in das Schloß und liefert es ab. Als die Mädchen das sehen, glauben sie, daß der Prinz wieder auf die Erde gekommen ist, und danken Gott. [[89]]
Wir wenden uns nun zu dem grindigen Jungen. Als sein Meister in den Laden kommt, sagt er: „Meister, gib mir Urlaub, ich möchte gehen.“ Obgleich der Meister damit nicht einverstanden war und obgleich er noch so sehr bat, so gab er ihm doch den Urlaub, da er keinen Ausweg fand. Der grindige Junge geht von dort zu einem Schneiderladen und sagt zu dem Schneider: „Meister, willst du mich als Lehrling annehmen?“ Der Schneidermeister sagt: „Ich brauche keinen Lehrling. Mach, daß du fortkommst.“ Da er ihn jedoch nicht forttreiben kann, nimmt er ihn, weil er sich nicht anders zu helfen weiß, als Lehrling an.
Wir wenden uns nun zu den Mädchen. Sie senden dem Padischah Nachricht: „Wir wünschen ein Kleid, das nicht mit der Schere geschnitten und nicht mit der Nadel genäht ist und in einer Haselnußschale sein soll.“ Der Padischah ruft die Schneider und sagt: „Ich verlange von euch ein Kleid, das nicht mit der Schere geschnitten und nicht mit der Nadel genäht ist und in einer Haselnußschale sein soll.“ Die Schneider überlegten und erbaten eine Frist von vierzig Tagen. Der Padischah sagte: „Ich gebe euch eine Frist von vierzig Tagen. Wenn es nicht am einundvierzigsten Tage kommt, schneide ich euch den Hals ab.“ Damit entläßt er sie. Sie gingen in ihre Läden und berieten sich. Da sagte der Junge: „Ach, Meister, lieber Meister, worüber denkst du nach?“ Der antwortete: „Grindiger Junge, mach, daß du fortkommst, belästige mich nicht.“ Das Reden nützte ihm aber nichts, der Junge bat, es ihm zu sagen. Da kein Ausweg war, sagte er: „Der Padischah hat uns ins Schloß gerufen und verlangt von uns ein Kleid, das mit keiner Schere geschnitten und mit keiner Nadel genäht werden soll und in eine Haselnußschale hineingehen soll. Wenn wir es nicht machen, wird er uns alle töten.“ Der grindige Junge sagte: „Ist das eine Sache, über die du nachdenkst? Gib mir vierzig Zentner Haselnüsse und vierzig Zentner Rosinen und vierzig Okka Lichte, so werde ich es dir am einundvierzigsten Tage machen und [[90]]bringen.“ Der Meister sagte: „Das Herz des Jungen verlangt Haselnüsse und Rosinen. Ich würde mein Auge und meinen Kopf ihm geben.“ Dann kauft er sie und gibt sie ihm. Der Junge nahm sie, trat in das Zimmer, blieb dort und aß die Haselnüsse und Rosinen. In der Nacht auf den einundvierzigsten Tag rieb er die Haare an einander. Der Mohr kam und sagte: „Mein Prinz möge befehlen. Was wünschst du?“ Der Prinz sagte: „Ich verlange die Kleider in der Haselnußschale im Laden.“ Sofort holt der Mohr sie. Der Prinz nimmt sie und verbirgt sie im Schranke. Am Morgen kommt sein Meister und sagte: „Grindiger Junge, was hast du gemacht? Na, ich bin neugierig.“ Der grindige Junge sagte: „Was fragst du mich, sieh in den Schrank.“ Der Meister sieht in dem Schrank, was nicht seinesgleichen in der Welt hat. Sofort trägt er sie ins Schloß und gibt sie dem Padischah. Der Padischah nimmt sie und befiehlt die Hochzeit herzurichten.
Damals pflegten die Bräutigams, wenn eine Hochzeit hergerichtet wurde, auf einem offenen Platz mit dem Bogen zu schießen. Deswegen ging der älteste Prinz am ersten Tage auf den Platz und alles, was an Leuten vorhanden war, kam zum Zuschauen. Der Schneider sagte: „Vorwärts, mein Sohn, heute wollen wir uns zusammen das Polospiel vom ältesten Sohne des Padischah ansehen.“ Der grindige Junge sagt: „Ach, Meister, gehen Sie nur hin, mein Kopf ist grindig. Wenn meinem Kopf in dem Gedränge etwas passiert, was soll ich dann machen?“ Er bleibt im Laden. Nachdem der Meister weggegangen ist, reibt er die Haare an einander. Der Mohr erscheint und sagte: „Mein Prinz möge befehlen.“ Er sagt: „Ich verlange von dir einen Falben, einen Satz sauberer Pfeile und schwarze Kleider.“ Sofort bringt der Mohr ihm alles. Der Junge zieht die Kleider an, besteigt das Pferd und geht auf den Schießplatz. Er sieht, daß der Prinz Polo spielt. Der grindige Junge betritt den Platz, verfolgt den Prinzen und schlägt ihm bei Gelegenheit auf den Arm und verwundet ihn. Als [[91]]der Prinz auf die Erde gefallen ist, verschwindet der Junge vom Platz, geht schnell in den Laden, gibt Pferd und Bogen dem Mohren und bleibt im Laden. Da kommt sein Meister und sagt: „Mein Sohn, es ist gut, daß du nicht mitgegangen bist.“ Er fragt: „Ach, was ist geschehen?“ Er antwortet: „Ein Jüngling auf einem Falben kam und schlug den Prinzen, aber er ist nicht gestorben.“ Der Junge sagt: „Meister, es ist gut, daß ich nicht hingegangen bin. Wenn meinem Kopfe etwas geschehen wäre, was hätte ich anfangen sollen?“
Am zweiten Tage steigt der mittlere Prinz auf das Pferd und geht auf den Platz. Der Meister geht wieder hin. Der Jüngling bleibt im Laden und reibt wieder die Haare an einander. Als der Mohr kommt, sagt er: „Ich verlange einen Pfeil und ein gelbes Pferd.“ Sofort bringt ihm der Mohr alles. Der Junge besteigt das Pferd und geht auf den Platz. Da sieht er, daß sein mittlerer Bruder Polo spielt. Bei Gelegenheit trifft er ihn mit dem Pfeil in den Schenkel, sodaß er vom Pferde fällt. Dann geht der Junge wieder in den Laden, gibt dem Mohren Pfeil und Pferd und bleibt ruhig an seinem Platze. Dann kommt sein Meister und sagt: „Es ist gut, daß du nicht mitgegangen bist.“ Er fragt: „Ach, Meister, was ist denn heute geschehen?“ Der Meister antwortet: „Ein Reiter auf einem gelben Pferde kam, hat den mittleren Sohn des Padischah am Schenkel getroffen und auf die Erde geworfen.“ Der grindige Junge dankte Gott dafür, daß er nicht hingegangen war. Am nächsten Tage zieht der Sohn des Vezirs auf den Platz, um zu spielen. Der Meister läßt wieder den grindigen Jungen im Laden und geht hin. Der grindige Junge reibt wieder die Haare an einander. Als der Mohr kommt, sagt er: „Ich verlange von dir einen Pfeil und einen Schimmel.“ Sofort bringt der Mohr alles. Der Junge nimmt den Pfeil, besteigt das Pferd und geht auf den Platz. Da sieht er, daß der Sohn des Vezirs Polo spielt. Er schießt bei Gelegenheit einen Pfeil ab, der ins Herz eindringt, aus dem Rücken [[92]]wieder herauskommt und ihn tötet. Er selbst fängt an auf dem Platze herumzureiten. Sofort ergreift man den Jüngling und führt ihn vor den Padischah. Der Padischah befiehlt, ihn zu töten. Da sagt der Prinz: „Ach, mein mächtiger Padischah, meine Brüder haben mich im Brunnen gelassen, willst du mich auch töten?“ Darauf sagte der Padischah: „Ach, bist du es, mein Sohn?“, fiel ihm um den Hals, weinte und sagte: „Ach, mein Sohn, was willst du, soll ich deine Brüder töten?“ Der Prinz antwortete: „Ich bin mit dem zufrieden, was Gott bestimmt hat, aber gib jedem einen Palast und dem ältesten Bruder das älteste Mädchen, dem mittleren das mittlere und die jüngste verheirate mit mir.“ Sofort wurden die zwei Brüder aus dem Schloß, jeder in einen besonderen Palast gebracht und das jüngste Mädchen mit dem Prinzen verheiratet. Vierzig Tage und vierzig Nächte dauerten die Hochzeitsfeierlichkeiten. Am einundvierzigten Tage in der Nacht auf den Freitag betrat er das Hochzeitsgemach. Sie erlangten und gewährten, was sie wünschten. Damit ist auch diese Geschichte aus und somit Schluß.
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