Am nächsten Tage bekommt die Frau Lehrerin die Nachricht: „Die Prinzessin verlangt dich.“ Die Frau Lehrerin sagt: „Mein Sohn, ich habe Besuch von draußen. Wie sollte ich den allein lassen.“ Da bekommt sie Nachricht, daß sie ihren Besuch mitbringen soll.

Wir wenden uns jetzt zu Sefa und Dschefa. Da sie aus einem Apfel entstanden waren, so waren sie sich sehr ähnlich. Die Frau Lehrerin sagte: „Mein Sohn, was sagt Ihr, man hat Euch auch eingeladen. Kommt bitte mit.“ Sefa sagt: „Bringe mir einen Feredsche und Jaschmak.[19] Ich will mich anziehen und dann hingehen.“ Sie sagte: „Sehr schön.“ Sie zogen einen Jaschmak und Feredsche an und gingen in das Schloß. Die Tochter des Padischahs von Jemen, schön wie der Mond am vierzehnten, stieg die Treppe hinab und ging ihnen mit ihren Sklavinnen entgegen. Als Sefa sie sah, zitterten ihm Hände und Füße. Dann stiegen sie nach oben und setzten sich in ein Zimmer, [[106]]nahmen ihren Jaschmak und Feredsche ab und unterhielten sich. Nachdem sie Kaffee getrunken und geraucht hatten, sagte die Prinzessin: „Frau Lehrerin, woher ist dieser Gast gekommen? und wer ist er?“ Sie antwortete: „Sie sind aus diesem Lande und gehören zu meiner Verwandtschaft. Ich habe mich sehr dazu gefreut.“

Am Abend sagte die Prinzessin: „Frau Lehrerin, bleibt als Gäste bei mir. Ich werde euch nicht weglassen.“ Sie antwortete: „Ach, meine Tochter, zu Hause ist ihre Mutter. Die weiß nichts davon, daß sie hierhergegangen sind. Sie würde sich wundern. Morgen werde ich ihre Mutter um Erlaubnis bitten und sie hierherbringen.“ Dann standen sie auf und gingen nach Hause. In dieser Nacht schliefen sie. Am nächsten Morgen lassen sie Sefa im Hause und gehen mit Dschefa ins Schloß. Nachdem sie zu Abend gegessen hatten, geben sie der Frau Lehrerin ein großes Zimmer und sie beide zogen sich in ein anderes Zimmer zurück, zündeten goldene und silberne Leuchter an und setzten sich auf Federkissen. Das Mädchen umarmt Dschefa und küßte ihn und sagte: „Umarme mich auch und küsse mich auch.“ Dschefa tut das auch. Das Mädchen sagt: „Das ist der Kuß eines Mannes.“ Schließlich gibt er sich zu erkennen und setzt ihr alles von Anfang bis zu Ende auseinander, daß der gestern Gekommene, der Sohn des Padischahs von Stambul sei, und daß sie beide aus einem Apfel entstanden seien.

Die Liebe des Mädchens wurde noch größer und sagte: „Dafür muß ein Mittel gefunden werden. Ach, Dschefa, morgen gehe ich als Braut des Sohnes des Padischahs von Indien fort. Gegenüber, eine halbe Stunde entfernt, ist eine Türbe. Ich gehe nicht, bevor ich nicht zuerst diese Türbe besucht habe. Ihr müßt morgen von der Frau Lehrerin direkt zu der Türbe gehen, dem Wärter etwas Geld geben, eintreten und mich erwarten. Ich komme mit dem Wagen zur Türbe, steige aus, gehe allein in die Türbe, lasse dich meine Brautkleider anziehen. Du besteigst den Wagen [[107]]und gehst als Braut zum Sohne des Padischahs von Indien. Ich entfliehe von dort mit Sefa. Wir erwarten dich auf dem und dem Berge. Du entfliehst eines Tages von dort und kommst.“ So beschlossen sie in jener Nacht. Am Morgen geht Dschefa und die Frau Lehrerin wieder nach Hause und erzählen dies alles im Geheimen dem Sefa. Sie geben der Frau Lehrerin eine Anzahl Goldstücke und verabschieden sich. Sie verlassen das Haus, gehen zur Türbe, geben dem Wärter eine Handvoll Goldstücke und Sefa und Dschefa verbergen sich in einem Winkel der Türbe.

Wir wollen die Geschichte nicht in die Länge ziehen. Die Wagen kommen, die Braut steigt bei der Türbe ab, betritt die Türbe, sieht, daß Sefa und Dschefa dort sind. Sofort zieht sie, ohne zu verweilen, ihre Kleider aus, gibt sie Dschefa. Als der von dort wieder zum Wagen gekommen ist, umarmt man ihn und setzt ihn in den Wagen. Die Pferde bekommen einen Peitschenschlag und man macht sich auf den Weg nach Indien.

Eines Tages kommen sie nach Indien. Aus Freude, daß die Tochter des Padischahs von Jemen als Braut für den Sohn des Padischahs von Indien kommt, werden Kanonen abgeschossen und Freudenfeste abgehalten. Die Türen des Schlosses werden geöffnet und man ging ihnen entgegen. Die Sklavinnen fassen ihn unter den Arm[20] und führen ihn ins dritte Stockwerk hinauf. Kurz, in jener Nacht bringt man Dschefa, in der Meinung, daß er ein Mädchen sei, in das Brautgemach. In jener Nacht zeigte er sich dem Bräutigam nicht gefällig. Am Morgen ging der Prinz grollend weg, die vermeintliche Braut blieb im Schloß. Nach einigen Tagen, während die Braut im Garten spazieren geht, erscheint von ungefähr die Schwester des Bräutigams und sagte: „Ach, meine Prinzessin, komm, wollen zu Gott bitten, vielleicht wird einer von uns ein Mann.“ Das wäre für das Mädchen ein Glück gewesen. Dschefa betete und das Mädchen sagte „Amen“. Sie untersuchten sich. Das Mädchen sagte: „Bei mir ist nichts.“ Dschefa sagte: [[108]]„Bei mir ist etwas geworden.“ Sie umarmen sich und pflücken die reifen Küsse von ihren Wangen, die anderen heben sie sich für später auf.[21]

Dschefa sagte: „Hier können wir nicht mehr bleiben. Wollen in mein Land gehen.“ Sie besteigen die Pferde, und machen sich mit den Worten: „Wo bist du, Sefa?“ auf den Weg.

Nach vier bis fünf Tagen erreichten sie sie. Sie fragten sich gegenseitig nach ihrer Gesundheit und erzählten genau ihre Erlebnisse.

Die wollen wir nun verlassen und uns Indien zuwenden. Als es Abend wird, sieht man, daß weder die Braut noch die Schwester des Bräutigams im Schlosse sind. Ein Wehklagen entstand. Man rief die Besprecherin und ließ sich aus dem Sande weissagen. „Ach, das zu uns gekommene Mädchen ist ein Junge und hat gleichzeitig die Schwester des Bräutigams mitgenommen.“ Sofort verzauberte die Besprecherin ein Pferd und sagte: „Über sie soll der Tod, den ich sende, kommen.“

Das Pferd raste im schnellsten Galopp heran. Als es ihnen nahe war, erschien der Derwisch und sagte: „Dschefa, nimm eine Handvoll Erde und wirf sie auf das herankommende Pferd“ und verschwand. Plötzlich sieht er ein Pferd, das nicht seinesgleichen in der Welt hat. Als er von der Erde eine Handvoll Erde genommen und auf das Pferd geworfen hatte, wurde es ein elendes Pferd. Die Besprecherin schickte einen Hirsch, dessen Haare buntfarbig waren und dessen Geweih nach allen vier Seiten Licht verbreitete. Solch ein entzückendes Tier war es. Sefa sagte: „Dies Tier will ich ordentlich halten und meinem Vater als Geschenk bringen.“ Dschefa nahm wieder eine Handvoll Erde vom Boden und warf sie auf das Tier und machte wieder ein elendes Tier daraus. Der Prinz wurde darüber Dschefa feindlich. Darauf verzauberte die Besprecherin einen [[109]]Drachen und schickte ihnen den. Aus seinem Maule und seiner Nase sprühte Feuer, und er kam wie ein Blitzstrahl daher. Auch ihn bewarf er mit Erde und vernichtete ihn.