Obgleich er so reich war, gab er doch nicht seinen Gelüsten nach, trank nicht, brachte sein Leben mit seiner geliebten Uludsch Begum und seinen Kindern zu, ging früh zu Bett und stand früh auf. Er war sehr glücklich.
Aber eines Nachts erschien ihm im Traum ein Derwisch und fragte ihn: [[157]]
„Hassan Bej, dir wird ein großes Unglück zustoßen. Soll es in deinem Alter oder in deiner Jugend kommen?“
Er gab keine Antwort und sagte, als er aufwachte: „Hoffentlich läuft es gut ab.“ Er umarmte Turgud und Korkud, die vor ihm aufgewacht waren und küßte sie. An dem Tage war er bis zum Abend weder auf der Jagd noch beim Polo aufgelegt. In der Nacht konnte er in seinem Bette nicht einschlafen. Gegen Morgen kam eine Müdigkeit über ihn. Kaum waren seine Augenlider zugefallen, als der gestrige Derwisch wieder vor ihm stand und, während sein langer Bart sich bewegte, fragte:
„Hassan Bej, über dich wird ein sehr großes Unglück kommen. Soll es in deinem Alter oder in deiner Jugend kommen?“
Wieder fuhr er empor und wachte auf. Seine Kinder und ihre geliebte Mutter schliefen noch. Er sah sie an. Also dieses Heim, dieses heilige Nest, sollte von der grausamen Hand des Schicksals zerstört werden. Aber jetzt oder später? Er fing an nachzudenken. Er konnte sich nicht entschließen, zu sagen: „Jetzt … in meiner Jugend.“ Sollte er nicht Mitleid haben mit einer solchen Frau und solchen zwei schönen Kleinen? Mögen sie groß werden, mag es dann in seinem Alter kommen, was es auch sein möge.
An dem Tage ging er nicht aus. Er saß wie ein Kranker zu Hause. Gegen Abend änderte sich allmählich sein Entschluß. So reich wie Hassan Bej war, so tapfer war er auch. Wie er sich vor keinem Feinde fürchtete, so fürchtete er sich auch nicht vor dem Unglück. Warum sollte er dies Unglück in seinem Alter wünschen? Wenn indessen das Unglück in seiner Jugend über ihn käme, würde er das ihm entgegentretende Unglück mit der Kraft seines Armes erhellen können. Er vertraute auf sich. Da das Unglück ihm nun einmal bestimmt war, sollte es in der Zeit der Kraft und des Feuers, in der Jugend, über ihn kommen. [[158]]
Sobald er den Entschluß gefaßt hatte, schlief er gut. Im Traum kam wieder der Derwisch und wiederholte seine Frage:
„Hassan Bej, über dich wird ein sehr großes Unglück kommen. Soll es in deinem Alter oder in deiner Jugend kommen?“
Hassan Bej rief: „In der Jugend, in der Jugend“ und wachte auf.