Die Gelehrten und Dichter hielten alle den Hassan Bej für verrückt, lachten und sagten: „Kerl, du bist ein Türke und verstehst nichts anderes als reiten und das Schwert zu gebrauchen. Geh an deine Arbeit.“
Hassan Bej antwortete: „Ich bin ein Türke, aber ich kann die Feder ebenso gut wie das Schwert gebrauchen. Macht einen Versuch. Ich werde es schreiben. Wenn es euch nicht gefällt, zerreißt es, werft es weg und jagt mich davon.“
Die Gelehrten, Fürsten und Lehrer gaben diesem seltsamen Türken ein Blatt und Feder, um sich über ihn lustig zu machen. Hassan Bej setzte sich hin und schrieb in einem Anlauf das erste Lied des turanischen Heldenbuches. Alle, die es lasen, waren erstaunt.
Die Perser gaben dies Gedicht, gleich als ob sie es selber geschrieben hätten, dem Schah. Der Schah war ein sehr schöner, alter Mann, der den Grad der Fähigkeiten und Geschicklichkeit seiner Dichter sehr wohl kannte, und sagte: „In unserem Lande ist keiner, der ein solches Gedicht schreibt. Sucht den, der es geschrieben und bringt ihn zu mir.“
Da konnten die Perser die Wahrheit nicht verbergen und gaben den Hassan Bej an. Der Schah machte ihn zur Belohnung für seine Begabung zu seinem Hofdichter und trug ihm auf, das turanische Schahname zu schreiben.
Hassan Bej war jetzt von aller Not befreit, aber er dachte nicht an Reichtum und Besitz, sondern konnte seine geliebte Frau Uludsch Begum und Torgud und Korkud nicht vergessen. Er verbrachte sein Leben in dem Palast des [[164]]Schahs gleichwie in einem Gefängnis verzweifelt und bedrückt zu.
Der Bär, der Korkud ergriffen hatte, hatte seine Beute nicht gefressen und nicht getötet, sondern ihn in seine Höhle gebracht und gefüttert. Das Kind fand im Sommer die Gelegenheit in ein Dorf zu entwischen. Dort kam es auf das Gut eines Bejs. Torgud, den der Strom fortgerissen hatte, war nicht ertrunken. Der Strom hatte ihn in das Rad einer Mühle getrieben. Als das Rad stillstand, war der Müller hingelaufen und hatte dies Kind, das ihm der Strom zugeführt hatte, als Sohn angenommen.
Sommer und Winter waren vergangen. Nach zehn Jahren waren die Kinder erwachsen und immer schöner geworden. Wohl weil sie Zwillinge waren, erinnerten sich beide zu gleicher Zeit, daß sie einst eine Mutter gehabt hatten, daß diese von dem persischen Gesandten geraubt sei und daß ihr Vater, um diesen Gesandten zu suchen, nach Persien gegangen sei. Eines Tages machten sie sich beide auf den Weg nach Persien und trafen sich. Nachdem sie sich begrüßt hatten, fragten sie sich:
„Bist du ein Türke, Bruder?“