Abb. 35. Karl der Große zerstört die Irmensäule.
Wandgemälde von Professor Hermann Wislicenus im Kaiserhause zu Goslar.
(Nach einer Photographie im Verlag von Jul. Brumby in Goslar.)
Im einzelnen lassen sich die Mundarten der Gaue, wenn auch deren alte Grenzen hierbei nicht überall scharf hervortreten, an charakteristischen Eigentümlichkeiten gut unterscheiden. Nur im engernschen Lisgau, also auch in den der oberdeutschen Sprachinsel nicht angehörenden oberharzischen Ortschaften Lerbach, Buntenbock, Riefensbeek, Kamschlacken, Lonau und Sieber hört man ssehr (sehr), chout (gut), loapen (laufen). Die ostfalische Mundart, welche im Ambergau, Densigau und Lerigau den Harz berührt, in der Nähe des Gebirges aber auch auf das rechte Ufer der Oker hinüberspringt, wird durch eine Fülle von Diphthongen gekennzeichnet, deren nach den Orten wechselnde Färbung längst nicht mit den hochdeutschen Vokalen wiedergegeben werden kann. Mein Haus lautet (bis dicht vor Hannover, wo zuerst der einfache Vokal mîn hûs auftritt) etwa maïn oder meïn hius, greulich gruilich, gräulich gröulich. Vielfach wird g wie j gesprochen: gut jiut, geben jeeben; Gott lautet in der Einzahl gott, in der Mehrzahl aber jötter; ebenso hochdeutsch Garten in der Mehrzahl järten. In andern Wörtern wie grot (groß), Goslär (Goslar), Gurke tritt das j nie auf.
Die sich östlich anschließende Harzgauische Mundart kennt die ostfalischen Diphthonge und das anlautende scharfe st, sl etc. nicht und spricht nur in dem östlichen Streifen (Halberstadt, Quedlinburg) an der Bode das anlautende g wie j: Joslar, jut, jross. Zum Vergleiche zwischen dieser und der ostfalischen Mundart diene folgende Strophe aus der „willen Jagd“:
Wernigerode:
Mîn Vader, mîn Vader, horche mal rut,
Dat hult da buten, dat hult sau lut;
Dat bellt un schtampt, dat gröhlt un brüllt
Hoch öwwer de Böme grulich un wild.
Bockenem:
Maïn Vader, maïn Vader, horche mal rüut,
Dat hüult da butten, dat hüult söu lüut,
Dat bellt un stampet, dat greelt un brillt
Hoch ower de Beme gruilich un wild.
Einlautig ist auch die Mundart des Schwabengaues, die ohne scharfe Umgrenzung etwa von Westerhausen und Thale bis an den Streifen bei Suderode und Ermsleben reicht, in dem seit Jahrhunderten das Mitteldeutsch kämpfend weiter nach Norden vordringt. Sie spricht stets anlautendes g wie j und — wie schon manche Orte des Harzgaues — hiser, nicht hüser für Häuser.