Klausthal.

Als im Anfange des achtzehnten Jahrhunderts endlich wieder die Gruben gut „silberten“, entwickelten sich im Glanze des Bergsegens die Städte so ersichtlich, daß die Hauptstadt Klausthal im Jahre 1736 ohne Garnison 8930 Einwohner zählte. Die Feuersbrünste von 1725 und 1737, von denen die erste 391 und die zweite 192 Wohngebäude zerstörte, wurden damals leichter überwunden. Dagegen sank die Einwohnerzahl unter den Drangsalen des siebenjährigen Krieges um 2000. Allein am 3. September 1761 erpreßten die Franzosen in der Doppelstadt 40000 Thaler, und zum Dank für seine Milde mußte Klausthal dem General Vaubecourt gar eine Medaille prägen lassen.

Als 1799 der großartige Georgstollen durchschlägig wurde, konnte man die Erze auch aus größerer Teufe holen. Aber dieser Vorteil kam bald der westfälischen Fremdherrschaft zu nutze. König „Lustik“ von Bonapartes Gnaden, der sich zweimal in Klausthal-Zellerfeld anjubeln ließ, konnte kaum mit Hilfe des Raubbaues den sich immer steigernden Bleibedarf für seines Bruders Kriege und Festungen decken. Doch die enormen Summen, die nach Kassel flossen, genügten ihm nicht: er bot dem Juden Jakobson den ganzen oberharzischen Bergbau zum Kauf an; indes, wenn dieser sein „Kammeragent“ auch preußische, hannoversche und braunschweigische Domänen billig zu erwerben kein Bedenken trug, so erschien jener große Bissen dem Schlauen doch im Werte zu unsicher. Trotzdem es Titel und Gehaltszulagen regnete, sammelten die Bergbehörden einen Teil der Überschüsse für die angestammte Landesherrschaft heimlich im Zehnten an und schickten falsche Abrechnungen nach Kassel. Aber viele Handels- und Kassenbeamte trieben auch „Matzhammelei“: sie steckten manches Tausend in die eigene Tasche; und des Geldes war ja so viel, daß die Franzosen es nicht merkten — erst die hannoversche Regierung hat später diese Unterschleife bestraft. Da sah man den Oberfaktor in Goslar wie einen Grafen mit vier Rappen, einen Jockei vorn auf, durch die Straßen fahren, und sein Bruder in Osterode legte einen Marstall an und baute ein Reithaus. — Flotter ist der Bergbau nie umgegangen. Aber der Harzer ließ sich durch die hohen Löhne nicht gewinnen; obwohl vom westfälischen Kriegsdienste befreit, schlichen sich die jungen Männer bis zur Küste durch und bluteten auf den Schlachtfeldern Spaniens für Deutschlands Ehre und Freiheit; allein vom siebenten Bataillon der deutschen Legion trafen einmal an einem Tage elf Totenscheine beim Rate von Klausthal ein.

Abb. 45. Brockenbahn.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)

Als mit dem Frieden der großartige Bleibedarf aufhörte, sanken die Harzprodukte gewaltig im Preise, ja waren teilweise sogar unverkäuflich, und die englische und spanische Konkurrenz zwangen den Harzer Bergbau, sich sehr haushälterisch einzurichten. Die Bergbehörde begünstigte, trüb in die Zukunft sehend, die Auswanderung, besonders als 1844 300 und 1852 101 Wohnhäuser in Klausthal niederbrannten. Doch brach mit der Verstaatlichung des (gewerkschaftlichen) Bergbaues, mit der Vollendung des Ernst-August-Stollens, mit dem Erschließen neuer Erzmittel eine bessere, hoffnungsvollere Zukunft an. Heute zählt die Stadt 8600 Einwohner.

Von den Tillyschanzen bei der Windmühle, dem Wahrzeichen Klausthals, gesehen, gewährt die von weiter Wiesenflur eingeschlossene Doppelstadt ein eigenartig schönes Bild. Die in den flachen Thälern zu einer glänzenden Perlenschnur aneinandergereihten Teiche, der dunkle, breite Waldsaum ringsherum, der Blick auf die wellenförmige Hochebene mit ihren grünen Halden, ihren blinkenden Gruben und dem in der Ferne aufwirbelnden Hüttenrauche, ihren nach allen Seiten strahlenförmig in den Wald auslaufenden Alleen, auf die immer höher sich auftürmenden Berggruppen, und wieder zurück auf die wunderbar gestaltete Stadt mit ihren rotbedachten schmucken Häusern, von denen einzelne Gruppen sich bis in die unabsehbare Ferne zu erstrecken scheinen: leihen ihr Züge und Farben, wie sie sich so wirkungsvoll in ihrer schlichten Anmut im ganzen Harze nicht zum zweitenmal zeigen.

Zellerfelder Münzen.

Architektonisch bedeutsame Gebäude hat Klausthal nicht aufzuweisen. Die Marktkirche ist die größte Holzkirche Deutschlands (Abb. [9]). Im geräumigen Amthause hat das Oberbergamt für den größten Teil der Provinz Hannover, für Schleswig-Holstein, Hessen, Schaumburg und den Gemeinschaftsharz seinen Sitz. Aus der früheren, jetzt als Bibliothek und Berginspektion dienenden Münze — und teilweise aus der den verschiedenen Linien des Welfenhauses gemeinsamen Münze in Zellerfeld, die nur den heil. Andreas nicht im Stempel führte — sind die meisten der feinen Wildemanns- und Andreasmünzen und Ausbeutethaler hervorgegangen, welche die Münzsammlungen zu ihren wertvollsten Stücken zählen.