4. Andreasthaler, 1726 in Klausthal vom Münzmeister Chr. Phil. Spangenberg geprägt (Abb. [13]). Die Umschrift lautet: Georgius Dei gratia Magnae Britanniae Franciae et Hiberniae rex, fidei defensor (Verteidiger des Glaubens), Brunsvic. et Luneburg. dux, Sancti Romani imperii archithesaurarius (Erzschatzmeister) et elector. Der Wappenschild hat im ersten Felde die englischen Leoparden und den schottischen Löwen, im zweiten die französischen Lilien, im dritten die irische Harfe, im vierten die braunschweigischen Leoparden, den lüneburgischen Löwen, das Sachsenroß und in der Mitte die Kaiserkrone. Schildhalter Löwe und Einhorn.

Die von 200 bis 250 Studierenden besuchte Bergakademie, welche mit ihren Anfängen bis in das Jahr 1775 reicht, wird in den nächsten Jahren ein ihrer Bedeutung würdiges Heim erhalten. Begünstigt durch ihre Lage inmitten der mannigfaltigsten und musterhaft eingerichteten Montanwerke des Harzes, dieser Pflanzstätte für den gesamten deutschen Bergbau, steht diese Hochschule auch im Auslande in hohem Ansehen und bringt den Namen Klausthal in allen bergbautreibenden Ländern der Erde zu Ehren.

Das interessanteste Profanhaus des Oberharzes ist die im Jahre 1674 erbaute Bergapotheke in Zellerfeld (Abb. [14]) mit ihren fratzenhaften Köpfen an Front und Giebel bis zum Dache hinauf — dem Wahrzeichen der Stadt —, schönen Zimmerdecken, die in Stuck Christi Leidensgeschichte, Jagdscenen, allegorische und mythologische Bilder und andres vorstellen, und zwei mächtigen Kaminen mit kunstvoll eingemeißelten Verzierungen.

Die Umgebung von Klausthal bietet des Interessanten gar viel. Wir schlagen einen der wohlgepflegten, sauber mit Gräupchen (Kies) bestreuten Anfahrwege ein, welche von allen Straßen und Gassen den Gruben zuführen, und schließen uns einer Schar schwarzer Gestalten an, die unter den von den Kirchtürmen leise herüberzitternden Klängen der Anfahrglocke, das Grubenlicht in der Hand, im Busenraum des Kittels ein tüchtiges Stück Brot und ein „Einschteckel-Wirschtel“, dem Schachte zueilen.

Doch eh' der schwarze Kittelmann
In seine Tiefe fährt,
Stimmt er ein frommes Lied erst an,
Das seinen Herrgott ehrt;
Bergmannsblut hat frommen Mut.

Der Vorbeter, ein alter, würdiger Bergmann, leitet im Betsaale des Zechenhauses die Andacht am Eingange der Arbeitswoche.

In den Schächten.

Nun wird das Grubenlicht entzündet, das uralte, offen brennende Licht, denn dem Harzer Bergmann drohen keine „schlagenden Wetter“, und von den Zurückbleibenden mit dem Wunsche: „Es gieh eich wull!“ (Es gehe euch wohl!) begrüßt, tritt einer nach dem andern auf die Fahrkunst, die — jetzt von Dampfkraft getrieben — den Bergmann ruckweise binnen kurzem in die Tiefe führt. Wie Sterne, die nach und nach erblassen, leuchten die Grubenlichter noch eine Zeit lang herauf, dann umhüllt rabenschwarze Nacht den Fahrschacht bergestief.

Nicht mehr wie vor alters mit „Schlegel und Eisen“, wie er es zum Kreuze zusammengefügt als Schmuck und Standesabzeichen führt, schrämt vor Ort der Bergmann mühsam am Gestein, nein mit Bohrer und Fäustel und gar mit komprimierter Luft treibt er seine Bohrlöcher wuchtig in den Felsen und sprengt diesen mit Pulver und Dynamit (Abb. [15]). Und elektrische Bahnen unter und über Tage schaffen an Stelle der vor kurzem noch so berühmten unterirdischen Schiffahrt die Erze nach den Aufbereitungsanstalten, Sortierhäusern, Wäschen und Pochwerken, die das zerkleinerte Stufferz und den mittels mancherlei hydraulischen Separations- und Anreicherungsmaschinen gewonnenen Schliech der Hütte zuführen.