Nun sind sie auf ihrer Arbeitsstätte angekommen, und in ruhiger Geschäftigkeit tritt jeder an seinen Platz. In taktmäßigem Strich frißt sich die breite, schwanke Säge in den dicken Stamm ein, bis die Waldriesen krachend niederstürzen, dröhnend fallen die Axthiebe auf das Holz, wuchtig treibt das Fäustel den spaltenden Keil ein, dazwischen hallt von drüben Schuß auf Schuß dumpf herüber, wo die Stuken, die anders nicht zu bewältigen sind, mit Pulver gesprengt werden. — An jenem vor dem Winde etwas geschützten Rande der Hauung, da wo das Feuer qualmt, steht die Köte, mit deren Erbauung die Arbeit begonnen hat. Viel Kunst und Mühe hat sie nicht erfordert: junge, armdicke Fichten sind in Kreisform in den Boden geschlagen, oben zu einem Kegel zusammengebogen, außen mit großen Stücken Baumrinde bekleidet und innen in den Zwischenräumen mit Moos verstopft. Eine niedrige, verschließbare Öffnung mit kleinem Überbau dient als Thür und Fenster. In der Mitte der Bucht sind Steine zu einem Feuerherde zusammengelegt, und rings um diesen, dicht an der Außenwand, breite, niedrige Bänke angebracht. Mit Tannhecke, Heidekraut und einigen Moossäcken überdeckt, dienen sie zugleich als Schlafstätten. Hier um das knackende und prasselnde Feuer, dessen Rauch vergeblich zu entweichen sich bemüht, lagern sich am Abend die ermüdeten Arbeiter, bereiten sich ihre beliebte Scheibensuppe und schließen ihr Mahl mit einem Stück Brot nebst Wurst und einem Schluck Branntwein. Dann wird das Feuer noch einmal geschürt, die Thür verschlossen, und bald verkünden nur noch die Atemzüge der Schlafenden, daß die Waldeinsamkeit nicht völlig ausgestorben ist.

Während die Waldarbeiter wenigstens einmal wöchentlich mit ihrer Familie unter einem Dache weilen, sehen die Köhler ihr Dorf im ganzen Sommerhalbjahre nur bei besonderem, hochwichtigen Anlasse, denn die Meiler brennen am Sonntage wie in der Woche, und wenn der eine „ausgeladen“ wird, stehen andre schon wieder im Brande. Aber einmal wöchentlich macht sich die Frau des Köhlers mit der Kiepe auf, um diesen mit Brot und „Zubrot“ und andern Vorräten zu versorgen.

Abb. 53. Ilsenburg.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)

Der Köhler.

Abb. 54. Steinerne Renne.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)

Einem Köhlermeister bei seiner Arbeit zuzuschauen, ist indes heutzutage nicht so gar leicht. Seit Heran- und Heraufführung der Eisenbahnen auf den Harz und der dadurch ermöglichten Verwendung der Steinkohle ist nämlich die Holzkohlenproduktion für die Hütten um 97% zurückgegangen; und Köhlerei im größeren Umfange wird eigentlich nur noch getrieben, wenn ein bedeutender Wind- oder Schneebruch diese rasche Verwertung des Holzes fordert.