Da im „Kohlhai“ eines Meisters gewöhnlich vier bis sechs Meiler gleichzeitig, und zwar in den verschiedenen Stadien der Entwickelung, im Gange sind, so belehrt schon ein Besuch über alle Arbeiten des Köhlergeschäftes. Hier sehen wir dem „Richten“, dem Aufbau eines Meilers zu. Um die beiden Quandelpfähle im Mittelpunkte der kreisförmigen Kohlstätte werden die glattgehauenen Rundhölzer so dicht als möglich fast senkrecht herum- und schichtweise aufeinandergestellt, daß zwischen jenen Pfählen ein senkrecht bis auf den Boden reichendes Luftschächtchen bleibt, in das in der Richtung des Halbmessers am Boden ein wagerechter Luftkanal eintritt. Dort sind die Gehilfen dabei, einen fertig gerichteten Meiler, einen Kugelabschnitt von 3 Meter Höhe, so fest erbaut, daß man ihn ohne Gefahr besteigen kann, mit Tannhecke und Rasen zu „bedecken“ und mit einem Gemenge von Erde und Kohlengestübbe zu „bewerfen“. Wenn sie fertig sind, wird der Köhler den Meiler mittels eines zusammengelegten und mit Harz gefüllten Stückes trockener Baumrinde, das er mit der Steckrute durch den Luftkanal bis zu den am Fuße der Quandelstangen aufgehäuften Spänen und Reisern schiebt, anzünden. Mehrere Meiler stehen bereits im Brande; der eine raucht weißgrau, er ist erst vorgestern angezündet, der andre blau an allen Seiten, „die Kohlen garen“ bereits. Das „Regieren“ des Feuers ist das Meisterstück des Köhlers, bei dem er seine ganze Kunst und Erfahrung zeigen kann. Bald muß er die Windschauer umstellen und auf der vom Winde abgekehrten Seite — denn das Feuer brennt stets diesem entgegen — „Räume“ (Zuglöcher) mit dem Raumpfahle an richtiger Stelle anbringen; bald Ritzen und Borsten im Bewurf — denn das Feuer ist stets bestrebt, die Decke zu durchbrechen — mit der Klopfstange beseitigen, oder gar faustgroße „Reißlöcher“, deren blauer Rauch ihn warnend herbeiruft, mit einem Rasenstück heilen. So hat er Tag und Nacht keine Ruhe und muß diese wie der Schiffer in bestimmte Wachen teilen. — Ein aufregender Genuß ist es, am Abend dem Füllen der brennenden Meiler zuzusehen: im Widerschein der hell aufleuchtenden Kohlenglut hantieren die rußigen Gestalten, vom Rauch umwirbelt, hastig an und auf dem oben geöffneten Meiler. So viel dieser nämlich am Tage herunter brennt, um so viel muß er eine Woche hindurch jeden Abend wieder mit Holz gefüllt werden. Der Köhler legt den „Steg“, einen dicken, langen Knüppel mit eingehauenen Stufen, am Meiler hinauf, besteigt ihn, schaufelt Bewurf und Decke von der eingesunkenen Haube, stößt mit der Füllstange die Kohlen nieder, treibt das Holz, das ihm die Gehilfen zureichen, mit dem Wehrhammer ein und schützt die Haube wieder durch Decke und neuen Bewurf: alles in größter Eile, denn je länger der Meiler offen brennt, um so mehr Kohlen werden zu Asche. — Wenn die Verkohlung beendet ist, so „eimert“ sich der Meiler, d. h. der ganze Erdbewurf wird glühend, — ein schauerlich-schöner Anblick in dunkler Nacht.
Abb. 55. Schloß Wernigerode.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Die Köhlerbucht ist der Waldarbeiterköte gleich, nur ist sie durch einige Schränkchen und Vorratskasten mehr für dauernden Aufenthalt eingerichtet, und da die Zeltgenossenschaft weniger Köpfe zählt, so können sich alle, der Meister zur Rechten, die Gehilfen zur Linken und die Buben oder Haijungen im Hintergrunde, etwas wohnlicher einrichten. Die Hillebille (von hille d. i. rasch und Bell d. i. Glocke), ein zwischen zwei Bäumen in der Schwebe hängendes Buchenbrett mit hölzernem Hammer, mit dem sie ehemals die Kameraden von den entfernten Meilern zu Tisch und im Notfall alle Berufsgenossen aus beträchtlicher Entfernung mittels althergebrachter Signale herbeirufen konnten, findet sich heute wohl kaum noch bei einer Köte.
Abb. 56. Christianenthal bei Wernigerode.
(Nach einer Photographie von G. Steinicke in Bremen.)
Das Wild.
Mit den Tieren des Waldes lebt der Köhler, dessen Einsamkeit gewöhnlich ein zottiger Hund teilt, in bester Freundschaft: friedlich spielt das scheue Reh in seiner Nähe, und unbedenklich trabt der vorsichtige Hirsch durch den Meilerrauch.