Abb. 75. Eingang ins Bodethal.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)

Von den Kirchen erwähne ich nur noch die ehrwürdige Frankenberger Kirche mit ihren wieder aufgefrischten großartigen Wandmalereien; am Aufstieg zu dem bepflanzten Nonnenberge und den in einen hübschen Park umgewandelten Schieferhalden belegen, durch die sich schattige Spazierwege nach dem Gosewasserfall und dem durch eine wundervolle Aussicht lohnenden Steinberge schlängeln, gewährt sie einen wahrhaft malerischen Eindruck.

XI.
Die Oderlandschaft.

Der Bruchberg-Acker.

Von der Klausthaler Hochebene, deren Flüsse uns bislang als Wegweiser gedient haben, wird das „Andreasberger Dreieck“ durch den Bruchberg-Acker abgetrennt. Eine Wanderung den auf dem Kamme des Ackers laufenden Fastweg entlang wird durch die stetig wechselnden Bilder, die sich bald rechts nach Klausthal hin, bald links über Andreasberg auf den Ravensberg und Jagdkopf (Stöberhai) aufthun, zuletzt aber durch den großartigen Fernblick von den ruinenartigen Felsgruppen, welche sich, von Rentier- und isländischer Flechte, von Sumpf- und Moosbeere überwuchert, aus dem Tannendickicht meist nur wenig erheben, der Hanskühnenburg (810 Meter) und den Seilerklippen (750 Meter), reichlich belohnt. Und welchen Genuß gewährt eine Fahrt von der Stieglitzecke (828 Meter), wo unfern des Hammersteins (800 Meter) mit seinem Blick in die schluchtenartigen Seitenthäler jener Fastweg sich abzweigt, auf der Klausthal-Andreasberger Poststraße nach dem als Sommerfrische rühmlichst bekannten Sonnenberge und von hier, links abbiegend, der imponierenden Achtermannshöhe entgegen nach dem waldumschlossenen Oderteiche (Abb. [37]) und den Rehbergergraben entlang nach Andreasberg.

Ganz gegen den Charakter des Harzes zeigt sich in dem „Dreieck“ nicht einmal der Ansatz zur Plateaubildung; aus tief eingeschnittenen Thälern steigt man 200 bis 250 Meter hoch auf schmale Bergrücken oder abgerundete Kegel und wieder hinunter in ein schluchtenartiges Thal. Den besten Blick in dies wunderbar zerstückelte Gebiet gewähren die Porphyrkegel des Knollen bei Lauterberg (687 Meter), des Ravensberges (660 Meter) und des Stöberhais (719 Meter). Der Ravensberg heißt nicht mit Unrecht der Brocken des Südharzes. Wohl ist das Panorama hier und auf dem mit ihm zusammenhängenden Stöberhai enger begrenzt, aber es gewinnt dadurch an plastischer Klarheit und Schönheit. Im Norden und Westen umfaßt der Blick den ganzen hohen Harz bis zum Brocken und Acker, im Osten und Süden aber thut sich das Land weit auf bis zum Possen bei Sondershausen und zum Thüringerwalde, bis zu dem Ohmgebirge und dem Göttinger- und Habichtswalde.

Andreasberg.

Ist regellose Abwechselung von schroffer Bergeshöhe und wildem Thalsturz der Charakter des „Dreiecks“, so macht die Stätte, auf der die Stadt Andreasberg erbaut ist, davon keine Ausnahme; fast jäh schießen ihre Straßen von eng begrenzten Bergkuppen (640 Meter) in das „Unterland“ (520 Meter) hinunter. Aus einem Hause sieht man in zwei Thäler hinunter, ein andres hängt, als wäre es aus Wildemann hierher versetzt, wie ein angeklebtes Schwalbennest an der Bergwand, und ein drittes liegt fast so geschützt zwischen aufsteigenden Höhen, wie manche Stadtteile in Grund oder Altenau. Solche interessanten Gegensätze bietet nur diese einzigartige Stadt (Abb. [38]).