Abb. 88. Schloß Falkenstein.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Im Süden wird Halberstadt fast von dem Goldbache berührt, der sich bei Wegeleben in die Bode ergießt. Von diesem Bache erstrecken sich drei parallele Hügelketten von Nordwest nach Südost bis an die Ufer der Bode. Die nördliche beginnt mit den Spiegelsbergen, einem schönen öffentlichen Parke, den der Domdechant von Spiegel, Gleims Zeitgenosse, auf der bis dahin öden Anhöhe geschaffen hat; unter den wirkungsvollen Baumgruppen fallen besonders die alten Kiefern ins Auge. An diesen Park, dessen Turm auch eine hübsche Aussicht bietet, schließt sich die hochinteressante Felsenstadt der bewaldeten Klusberge, die sogenannte Halberstädter Schweiz. Am nordwestlichen Fuße des dritten Zuges, der im Hoppelberge bis zu 309 Meter aufsteigt und einen wundervollen Blick auf Berg und Land gewährt, liegt, vom Goldbach bespült, inmitten eines herrlichen Parkes das Schloß Langenstein, in dem einst Goethe die schöne Frau von Branconi, die Geliebte des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig und Freundin Lavaters, besuchte. An der Ruine der benachbarten Altenburg und weiterhin finden sich in den Felsen gehauene Höhlungen, die noch heute — wohl ein Unicum in ganz Deutschland — als Wohnungen benutzt werden.
Abb. 89. Schloßhof von Falkenstein.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Kloster Michaelstein.
Dem Goldbach aufwärts bis zum Gebirge und dann im lauschigen Klostergrunde dem Rippenbach folgend, gelangen wir bei seinem Quell, dem Volkmarsbrunnen, an den Volkmarskeller, zwei in den Fels gehauenen Gewölbe, in denen im Anfange des zehnten Jahrhunderts die fromme Klausnerin Liutburg, die selbst der heilige Ansgar von Bremen besuchte, und später der Einsiedler Volkmar mit seinen Genossen hauste. Die auf der benachbarten Klippe jüngst bloßgelegten Grundmauern sind die letzten Reste des ältesten Klosters Michaelstein, das sich zwischen 1139 und 1148 aus jener Brüderschaft entwickelte. Aber den Cisterziensern, die aus Altenkampen hier einzogen, war der Ort zu rauh und abgeschieden, schon nach einigen Jahrzehnten zogen sie thalabwärts und gründeten am anmutigen Ausgange des Klostergrundes Neu-Michaelstein (Abb. [63] und [64]). Von allen Seiten reich begabt, gedieh das Kloster trefflich bis in das sechzehnte Jahrhundert. Im Frühling 1525 aber stürmten es die Rotten wütender Bauern, und acht Jahre später ward es von Wilhelm von Haugwitz, einem Feinde des Herzogs Georg von Sachsen, niedergebrannt. In dem wieder erstandenen und zu Luthers Lehre übergetretenen Kloster, in dem zeitweilig eine Schule eingerichtet war, führten bald die Grafen von Regenstein und nach deren Erlöschen die Herzöge von Braunschweig den Abtsstab. Der letzte dieser fürstlichen Abte ist der „tolle Christian“ des dreißigjährigen Krieges, zugleich Bischof von Halberstadt. Auf unsere Tage sind vom alten Kloster nur der schöne gotische Kreuzgang, das romanische Refektorium und eine Krypta gekommen.
Abb. 90. Schloß Ballenstedt.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)