Gyges.
Nicht ohne ein Geschenk! Ja, holdes Kind,
Du sollst an Gyges noch mit Liebe denken!
Er ist zwar rauh und schlägt oft eine Wunde,
Eh' er es ahnt, besonders mit der Zunge,
Doch ließ er nie noch eine ungeheilt.

Kandaules (tritt auf).
Nun?

Gyges. Herr, du kommst im rechten Augenblick!

Kandaules.
Dann müßte ich zwei Glückliche hier finden!

Gyges.
Noch nicht, doch gleich! (Zu Lesbia.) Gib deine Hand einmal!
Wie zart ist sie! Wie hart die meinige,
Wie schwielenreich von Schwert und Spieß! Das paßte
Doch gar zu schlecht! Die muß ein Rosenblatt,
Das sich zusammenrollt, schon schmerzlich spüren,
An meiner stumpft der schärfste Dorn sich ab!
Sie zuckt, als ob sie eingeschmiedet wäre,
Kind, fürchte nichts! Ich fasse dich nicht an,
Weil ich dich halten will! Der König weiß
Daß ich nicht bloß sein klares Wort verstehe,
Daß ich auch seinen Wink mir deuten kann.
Er sah mit Schmerz, daß die Natur für dich
So viel getan und nichts das arge Glück,
Er will, daß ich das Glück bei dir vertrete:
Ich tu es (läßt sie los) und erkläre dich für frei!

Lesbia.
Die Freiheit, sagt man, ist ein hohes Gut,
Ich kenn sie nicht, ich ward als Kind geraubt,
Allein für hohe Güter muß man danken,
So danke ich für meine Freiheit dir!

Gyges.
Bist du zufrieden, Herr?

Kandaules.
Ich bin erstaunt!

Gyges.
Und da du denn nicht weißt, wo dir die Mutter
Nachweint, und wo das Haus des Vaters steht,
So geh, bis du es findest, in das meine,
Ich schenke dir's und hol nur noch mein Schwert!

Lesbia (Ab).