Mariamne.
Oh, ich weiß!
Ich hätte mir von ihm für jeden Kuß
Im voraus einen Kopf, der dir mißfiel,
Bedingen und zuletzt, wenn keiner dir
Mehr trotzte, als sein eigner, ihn zum Selbstmord
Bewegen, oder auch, wenn das nicht ging,
An ihm in stiller Nacht die Katzentat
Der Judith listig wiederholen sollen,
Dann hättst du mich mit Stolz dein Kind genannt!

Alexandra.
Mit größerem, als jetzt, ich leugn' es nicht.

Mariamne.
Ich zog es vor, dem Mann ein Weib zu sein,
Dem du mich zugeführt, und über ihn
Die Makkabäerin so zu vergessen,
Wie er den König über mich vergaß.

Alexandra.
Du schienst dich doch in Jericho auf sie
Noch einmal zu besinnen, wenigstens
Warst du die erste, die mit einer Klage
Hervortrat, als ich selbst sie noch zurückhielt,
Um dich zu prüfen. War's nicht so?

Mariamne.
In Jericho
Verwirrte mich das gräßliche Ereignis,
Es kam zu schnell, vom Tisch ins Bad, vom Bad
Ins Grab, ein Bruder, ja, mir schwindelte!
Doch, wenn ich meinem König und Gemahl
Argwöhnisch und verstockt die Tür verschloß,
Bereu ich's jetzt, und kann's mir nur verzeihn,
Weil es geschehn ist, wie in Fiebers Glut!

Alexandra.
In Fiebers Glut!

Mariamne (halb für sich).
Auch hätt' ich's nicht getan,
Wär' er in Trauerkleidern nicht gekommen!
Rot, dunkelrot hätt' ich ihn sehen können,
Doch—

Alexandra.
Ja, die fand er rasch! Er hatte sie
Voraus bestellt, wie andre Mörder sich,
Wo möglich, Wasser schöpfen, eh' sie morden—

Mariamne.
Mutter, vergiß nicht!

Alexandra.
Was? Daß du das Weib
Des Mörders bist? Das bist du erst geworden,
Und bist es nur so lange, als du willst,
Ja, bist's vielleicht, wer weiß! schon jetzt nicht mehr;
Des Toten Schwester aber warst du stets
Und wirst es bleiben, wirst es dann sogar
Noch sein, wenn du—du scheinst dazu geneigt—
Ins Grab ihm nachrufst: Dir ist recht geschehn!