Titus.
Ich glaube dir
Und werde—
Mariamne.
Halten, was du mir versprachst!
Ich zweifle nicht! Nun frag dich, was ich fühlte,
Als er zum zweiten Mal, denn einmal hatte
Ich's ihm verziehn, mich unters Schwert gestellt,
Als ich mir sagen mußte: eher gleicht
Dein Schatten dir, als das verzerrte Bild,
Das er im tiefsten Innern von dir trägt!
Das hielt ich nicht mehr aus, und konnt' ich's denn?
Ich griff zu meinem Dolch, und, abgehalten
Vom rasch versuchten Selbstmord, schwur ich ihm:
Du willst im Tode meinen Henker machen?
Du sollst mein Henker werden, doch im Leben!
Du sollst das Weib, das du erblicktest, töten
Und erst im Tod mich sehen, wie ich bin!—
Du warst auf meinem Fest. Nun: Eine Larve
Hat dort getanzt!
Titus.
Ha!
Mariamne.
Eine Larve stand
Heut vor Gericht, für eine Larve wird
Das Beil geschliffen, doch es trifft mich selbst!
Titus.
Ich steh erschüttert, Königin, auch zeih ich
Dich nicht des Unrechts, doch ich muß dir sagen:
Du hast mich selbst getäuscht, du hast mich so
Mit Grau'n und Abscheu durch dein Fest erfüllt,
Wie jetzt mit schaudernder Bewunderung.
Und, wenn das mir geschah, wie hätte ihm
Der Schein dein Wesen nicht verdunkeln sollen,
Ihm, dessen Herz, von Leidenschaft bewegt,
So wenig, wie ein aufgewühlter Strom,
Die Dinge spiegeln konnte, wie sie sind.
Drum fühl ich tiefes Mitleid auch mit ihm
Und deine Rache finde ich zu streng!
Mariamne.
Auf meine eignen Kosten nehm ich sie!
Und daß es nicht des Lebens wegen war,
Wenn mich der Tod des Opfertiers empörte,
Das zeige ich, ich werf das Leben weg!
Titus.
Gib mir mein Wort zurück!
Mariamne.
Und wenn du's brächest,
Du würdest nichts mehr ändern. Sterben kann
Ein Mensch den andern lassen; fortzuleben,
Zwingt auch der Mächtigste den Schwächsten nicht.
Und ich bin müde, ich beneide schon
Den Stein, und wenn's der Zweck des Lebens ist,
Daß man es hassen und den ew'gen Tod
Ihm vorziehn lernen soll, so wurde er
In mir erreicht. Oh, daß man aus Granit,
Aus nie zerbröckelndem, den Sarg mir höhlte
Und in des Meeres Abgrund ihn versenkte,
Damit sogar mein Staub den Elementen
Für alle Ewigkeit entzogen sei!
Titus.
Wir leben aber in der Welt des Scheins!
Mariamne.
Das seh ich jetzt, drum gehe ich hinaus!