So wie der Oxsen Treiber sorgsam ist, seine Heerde glücklich und ohne Zufall an den Markt zu bringen, so lassen Ew. Durchlaucht es sich auch angelegen seyn, die an England verkaufften Menschen wolbehalten zu überliefern, um für die Ihnen davor versprochenen Lst. 39,588 in die Wolle zu kommen. Der Zug ist schön. Sie gehen vorauf als Eigener der zu Markte gebrachten Troupes. Hinten an folgen die Jäger wie Hunde. Sobald einer ausweicht, bellen und beißen sie und geben Feuer.

Die nun mit Wiederwillen und ohne Gewehr hingeführten Menschen warten, bis ihnen die Gelegenheit wieder die Waffen in Händen spielen, um sich an den Jägern zu rächen. Anstatt gegen die Amerikaner zu fechten, werden sie sich unter sich selbst aufräuben und den Engländern mehr schädlich wie nützlich sein.

Gantz Europa siehet dieses als eine natürliche Folge ein. Nur Ew. Duchlauchten sind zu kurzsichtig. England wird Ihnen aber das Rätzel erklären, Ihnen und Ihren Truppen zurückschicken und anstatt 39,000 Lst. zu geben, vor der gantzen Welt lächerlich machen.

Der Vorfall zu Oxsenfurth freuet der ganzen Welt, besonders macht man den vier verabschiedeten Soldaten die grösseste Eloge. Man sagt, daß man diese zu Ew. Durchlaucht Schande ein ewiges Ehrendenkmahl aufrichten und Ihnen darinnen als Menschen Verkäuffer unter den Elendesten der Verbrecher setzen wird.

So wie man bereits in England und Frankreich von den Menschen Handel der Teutschen Fürsten Comoedien schreibt, so wird man auch bald davon Tragödie aufführen. Es wird nicht lange nicht an Stoff dazu fehlen. Die Unterthanen werden zu klug, als nicht solche Tyrannen, die ihnen wie das Vieh verkauffen, abzusetzen und fortzujagen.

Ich habe übrigens die Ehre zu seyn Ew. Durchlaucht Barbaresk ergebenster Diener Hans Fürstenfeind.“

Dieser Brief, in schöner Frakturschrift geschrieben, traf am 20. April 1777 in Anspach ein. Gemmingen war außer sich vor Aerger und Schrecken: Es lag ihm Alles an der Ermittelung des „frechen Pasquillanten“; er wollte an ihm womöglich ein abschreckendes Exempel statuiren. Der Minister schickte also sofort das Kouvert an den kaiserlichen Postmeister Welz in Nürnberg, um zunächst den Absendungsort zu ermitteln. Die Antwort dieses Beamten vom 29. April lautete dahin, daß der Brief von Straßburg gekommen sei. Eine dahin gesandte Anfrage ergab kein weiteres Resultat, als daß nach der Ansicht des dortigen Postmeisters Mouilleraux der Brief seinem Stempel nach in Bordeaux aufgegeben sein müsse. Die Schrift ist allerdings entschieden kaufmännisch; auch auf dem Pettschaft sieht man den geflügelten Stab des Merkur. Wahrscheinlich also hat ein deutscher Kaufmann in oder bei Bordeaux in obiger Weise seinem Patriotismus Luft gemacht. Gemmingen hielt es, nachdem er diese Auskunft empfangen, für besser, die Sache auf sich beruhen zu lassen, konnte er doch bei der den Amerikanern günstigen Stimmung Frankreichs von dessen Regierung keine Unterstützung seiner Rachepläne gegen „den frechen Pasquillanten erwarten!“

[Achtes Kapitel.]

Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Vertrages mit Anspach war Faucitt nach Hanau geeilt, um mit dem Erbprinzen von Kassel und Grafen von Hanau wegen der ihm von diesem angebotenen Jäger abzuschließen. Seit die englischen Generale ihre unbedingte Vermehrung anempfohlen hatten, wurden auf einmal, wie wir bereits im vierten Kapitel gesehen, die deutschen Förster und Jagdgehülfen ein äußerst gesuchter Artikel. Der Erbprinz Wilhelm, obgleich er deren nur wenig an der Hand hatte und deswegen Anfangs nur 160 anbot, machte sich, um aus den günstigen Konjunkturen des Marktes Vortheil zu ziehen, doch anheischig, ihrer so viel als Suffolk verlangte zu liefern, zumal sein Vater, der Landgraf von Hessen-Kassel, schon im Vorsprung war.

„Wir hatten — schrieb Malsburg am 17. Januar 1777 an Faucitt — auf Ihren ablehnenden Brief hin den Plan, Ihnen für das Frühjahr Jäger zu liefern, schon ganz fallen lassen. Seine Ausführung ist jetzt auch schwieriger als damals, wenn nicht ganz unmöglich, nicht allein durch den Zeitverlust, sondern auch durch Rekrutirungen, die der Landgraf seitdem in unsrer ganzen Nachbarschaft vorgenommen hat und auf welche wir ganz besonders gerechnet hatten. Nur der Eifer meines Herrn für die gute Sache und seine unwandelbare ehrfurchtsvolle Anhänglichkeit an den König ist im Stande, diese unvorhergesehene Schwierigkeit zu heben. Der Prinz wird jeden Nerv anstrengen, um das Jägerkorps möglichst bald zusammen zu bringen. Voraussichtlich können wir aber vor Mai Niemanden liefern.“ — „Es ist eine Abgeschmacktheit, zu erwarten — antwortet Suffolk am 4. Februar 1777 — daß man die Jäger noch im Mai nimmt. Der König will deshalb nur soviel als bis zur Einschiffung der Anspacher fertig sein können.“