Die Fahrt der Hessen und Anspacher verlief bei der freundlichen Gesinnung des Kurfürsten von Köln gegen England und in Ermangelung jeder Chikane seitens der preußischen Behörden ohne jede äußere Störung. Dagegen war die Stimmung der Truppen selbst desto erbitterter. Der Markgraf gab den Seinigen, um ihnen jede Ursache zur Klage zu nehmen, auf der ganzen Reise eine Extra-Ration von einem Pfund Brod und einem Pfund Fleisch per Tag auf den Mann und theilte, als bis Nimwegen Alles gut gegangen war, unter jedes Regiment hundert Dukaten als Geschenk aus. Unter den Soldaten der hanauischen Kompagnie Kornrumpf entstand dagegen am 25. März auf dem Rhein bei S'Gravendael in Holland eine Meuterei. Sieben Mann sprangen über Bord. Vier von ihnen wurden von ihren Verfolgern wieder eingefangen, die drei übrigen retteten sich in ein Haus. Die Bauern der Ortschaft nahmen ihre Partei und vertheidigten sie gegen die ihnen nachsetzenden Offiziere und Soldaten, so daß diese sich, um nicht todtgeschlagen zu werden, unverrichteter Sache zurückziehen mußten.

Die Anspacher wurden am 25. März vom Obersten Rainsford in den englischen Dienst gemustert. „Es sind schöne, prächtige Kerle — meldet dieser am 28. März aus S'Gravendael an Suffolk — jung und gut gebaut, kurz ein herrliches Korps. Ich fürchtete, sie würden nicht ohne Weiteres den Eid der Treue leisten, da ihr Gemurre noch kurz vorher ihre eigenen Offiziere beunruhigt hatte; allein die Anwesenheit ihres Fürsten, des Markgrafen, der sie von Ochsenfurt bis hierher begleitet hatte, verhinderte den Ausbruch selbst der geringsten Unzufriedenheit. Am zweiten Tage brachten wir sie nach Dortrecht, wohin sie der Markgraf in seiner Yacht begleitete, und gestern Abend wurden sie Alle zugleich mit den hessischen Jägern und Rekruten eingeschifft. Ich hielt es im Interesse des königlichen Dienstes für geboten, ihnen bei ihrer Ankunft an den Schiffen, um sie guten Muthes zu erhalten und jede Unannehmlichkeit zu vermeiden, frisches Fleisch und Brod zu versprechen, da sie sonst schwerlich dem König den Eid der Treue geleistet haben würden. Es ging aber Alles gut ab. Die Leute waren sehr zufrieden, als sie an Bord frisches Brod und Fleisch erhielten.“

Auch die hanauer Jäger fand Rainsford in ausgezeichneter Ordnung für den Dienst.

Nicht so günstig spricht er sich über die hessen-hanau'schen Rekruten aus, die er am 27. März in den englischen Dienst musterte. Nur die früher in preußischen Diensten gestandenen Leute seien hübsche Kerle; die übrigen habe er nur deshalb zugelassen, meldet er, weil es bereits sehr schwer geworden sei, gute Mannschaften zu bekommen; sie seien meistens zu alt oder zu jung, ja sogar mehrere Einäugige hätten sich darunter befunden. Wegen der hier bewiesenen Nachsicht schenkte, wie es scheint, der Erbprinz von Hanau dem Obersten Rainsford eine goldene Schnupftabacksdose, welche mit seinem in Brillanten gefaßten Portrait geschmückt war. Dieser hielt sie nicht für echt und ließ sie deshalb sofort von einem Juwelier abschätzen. „Das hätte ich nicht gedacht — vermerkt der ob der Schätzung freudig erstaunte Oberst in seinem Tagebuche — die Dose ist wahrhaftig Lstr. 160 werth: Lstr. 100 die Brillanten, Lstr. 20 das Gold, Lstr. 10 das Bild und Lstr. 30 die Arbeit; der Prinz ist doch anständig!“

Am 29. März segelten die Anspacher nach Portsmouth ab und kamen am 4. Juni in Staaten Island bei New York an; der Markgraf selbst traf von seiner „Berufsreise“ am 10. April wieder in Anspach ein.

Die drei letzten hanau'schen Jäger-Kompagnieen gelangten unter Oberst Creuzburg am 9. April 1777 ganz unbehelligt nach Nimwegen und wurden am 11. in den englischen Dienst eingeschworen. Rainsford schildert sie als ein schön ausgerüstetes Korps von vortrefflichen Schützen und bedauert nur, daß Suffolk keine Transportschiffe zu ihrer Beförderung gesandt habe.

Wie gefügig übrigens diese Truppen waren, wie wenig man sich zu ihnen der Desertion oder gar einer Meuterei zu versehen brauchte, beweist am Besten die Anrede, welche der Auditeur Becher in Hanau an die anspacher und hanauer Soldaten bei ihrer Vereidigung richtete. Der Leser wird bemerken, daß das patriarchalische Er und das vertrauliche Du, um jeden äußern Anstoß zu vermeiden, dem höflichern Sie Platz gemacht hat. Diese Anrede und dieser Eid lauten wörtlich:

„Ich bin überzeugt, daß Sie auch ohne dies schon das allergnädigste und gnädigste Zutrauen erfüllen werden, welches Se. Königlichen Maj. und beyde durchlauchtigste Fürsten in Ihre Redlichkeit und Tapferkeit setzen, und daß Sie bey allen Kriegs-Vorfallenheiten zeigen werden, daß Sie Deutsche sind, welche jederzeit den großen Ruhm der Treue und Tapferkeit behauptet haben. Werden Sie, wie man es von Ihnen erwartet, mit diesen redlichen Entschließungen von hier abgehen und denselben getreu bleiben und nachkommen, so erwartet auch unfehlbar in einem fremden Welttheil, Ehre, Glück und Belohnung auch Sie. Sie streiten für die gerechteste Sache eines der erhabensten und gütigsten Monarchen. Sie können sich nicht weniger der höchsten Gnade Ihrer theuersten Landes- Fürsten versichern, von deren Liebe und Zuneigung Sie schon so viele Beweise haben. Machen Sie sich dieser würdig und ehren Sie durch Unerschrockenheit und edelmüthige Kühnheit Ihren Stand und Ihr Vaterland, und Jeder von Ihnen sei dem Andern zum Muster, wie sich ein braver und rechtschaffener Soldat hervorthun müßte.

Hören Sie nunmehr die Formul aufmerksam an, wonach Sie einen leiblichen Eid zu Gott dem Allmächtigen schwören sollen: „Ihr sollt geloben und schwören einen leiblichen Eid zu Gott dem Allmächtigen, daß Ihr Sr. König. Großbritannischen Majestät in allen Kriegsvorfallenheiten treulich, willig und redlich dienen, dem Commando folgen und Euch überhaupt dergestalt erweisen wollt, wie tapferen und redlichen Soldaten wohl anstehet, eignet und gebühret, jedoch vorbehaltlich und ohnabbrüchig derjenigen Eides-Pflichten, mit denen Ihr Eurem gnädigsten Fürsten und Herrn ohnehin bereits zugethan seid. Alles getreulich und ohne Gefährde.“ Hierauf wird mit Emporhebung der zwei vordersten Finger nachgesprochen.

„Daß ich dem also, wie mir jetzo vorgehalten worden und ich wohlverstanden habe, in allem steif, getreu und unverbrüchlich nachkommen wolle, solches gelobe und schwöre ich, so war mir Gott helfe durch seinen Sohn Jesum Christum, unsern Erlöser und Seeligmacher. Amen!“