Das Regiment blieb vorläufig in Quebeck und wurde, da es in seiner Ausbildung noch gegen die anderen Truppen sehr zurück war, vorzugsweise zu Arbeiten, sowie zu Munitions- und Gefangenen-Transporten benutzt. Nach Einstellung der Feindseligkeiten ward es 1783 nach Halifax versetzt. So kam es, ohne an irgend welchen kriegerischen Bewegungen Theil genommen zu haben, im September 1783 wieder zu Hause an. Während es in den ersten Jahren nach seiner Aufnahme in den englischen Dienst nur 613, resp. 625 Mann gezählt hatte, belief sich sein Aktivbestand in den beiden letzten Jahren des Krieges auf 945 Mann.
Empfindlicher als diese Verzögerungen war übrigens für die Ergänzung der englischen Armee in Amerika der Ausfall, den sie durch den in Folge des preußischen Verbotes nothwendig gewordenen Abbruch der Verhandlungen mit dem Herzog von Würtemberg erlitt. So schlecht dessen Armee auch beschaffen sein mochte, so wäre er, selbst nach dem Zeugnisse Faucitt's, doch mit einiger Nachhülfe an Geld immerhin im Stande gewesen, noch 1500–2000 Mann auf die Beine zu bringen. Es war lediglich die Sperrung des Rheins, welche die Würtemberger zu Hause hielt und den in Amerika kommandirenden englischen General ihrer Hülfe beraubte. Karl Eugen ließ zwar aussprengen, daß er, für seine überrheinischen Besitzungen Unannehmlichkeiten fürchtend, auf die Einsprache Frankreichs den Vertrag mit England rückgängig gemacht habe; aber das ist nicht wahr, Suffolk hat nie einen Vertrag mit ihm geschlossen. Der Herzog hätte nur zu gern englische Hülfsgelder genommen; indessen der alte Fritz verdarb ihm das Spiel. Uebrigens wußte sich der Würtemberger Soldatenhändler bald darauf zu helfen, zumal sich durch den großen Konsum der letzten Jahre das Geschäft bedeutend schnell wieder hob. Ohne nur seine Landstände zu fragen, überließ er nämlich im Jahre 1786 das von Rieger für den englischen Dienst geworbene Regiment, welches er nach dem Fehlschlagen der Unterhandlungen mit Faucitt auf den Asperg in Garnison geschickt hatte, auf 1000 Mann vermehrt, den Holländern, welche diese Truppen ebenso gut als die Engländer bezahlten und sie theils in Afrika am Kap der guten Hoffnung, theils in Ostindien verwandten. Für ihren Abmarsch dichtete Schubart das ergreifende Lied: „Auf, auf, ihr Brüder und seid stark!“
Wenn wir uns die damalige Lage der Dinge auf dem amerikanischen Kriegsschauplatze vergegenwärtigen, so werden wir die bedeutenden, wenn nicht entscheidenden Folgen der Politik Friedrich's des Großen noch besser würdigen können. Washington lag nach dem für ihn unglücklichen Feldzuge des Herbstes 1777 von Mitte Dezember bis Mitte Juni 1778 in seinen Winterquartieren zu Valley Forge, allen Entbehrungen der Jahreszeit preisgegeben, unter allen Mißbräuchen und Mängeln einer desorganisirten Verwaltung leidend. Nie bis jetzt, selbst nicht nach den Niederlagen auf Long Island, hatte die Sache der jungen Republik so schlecht gestanden, denn nie war der Geist des Volkes und seine Widerstandskraft so sehr gebeugt und entmuthigt gewesen. Die zerlumpten und hungernden armen Teufel, die kaum mehr als 5000 Mann stark zu Anfang 1778 das amerikanische Heer vorstellten und damals unter Steuben erst die Anfangsgründe der Disziplin lernten, wären keines ernsten Widerstandes fähig gewesen, wenn Howe sie mit einer überlegenen Streitmacht angegriffen hätte. Aber der englische General ließ die ihm günstigste Zeit zum Angriffe ungenützt verstreichen und entschuldigte seine Unthätigkeit mit dem Mangel an Leuten. Und gerade in diesem entscheidenden Augenblicke erlangte er die Kenntniß von Friedrich's Verbot, das ihm verläufig jede Aussicht auf weitere Verstärkungen abschnitt. Es sind darum nicht sowohl die 2000, höchstens 3000 Mann, deren verzögerte Ankunft oder gänzlicher Ausfall England so empfindlich schadete, als vielmehr die Ungewißheit für die Zukunft, welche jede sichere Berechnung ausschloß und England die Bezugsquellen für seine deutschen Verstärkungen ganz abzuschneiden drohte. Eben darin liegt die Bedeutung der Politik Friedrich's für den amerikanischen Krieg. Sie war in ihren Folgen für Washington soviel als ein neuer Bundesgenosse werth, sie gönnte ihm Zeit zur Erholung und half das Kriegsglück wenden. Ohne es zu wollen, erwies also der große König dem republikanischen Feldherrn einen wesentlichen Dienst.
[Zehntes Kapitel.]
Die Verträge, deren Abschluß in den vorhergehenden Kapiteln erzählt worden ist, mußten, wenn sie gültig werden und in Kraft treten sollten, selbstredend erst vom englischen Parlamente genehmigt werden, von dessen Entscheidung sogar wie bei der Armee des eigenen Landes, so auch bei den Hülfstruppen die Fortdauer und Auszahlung des Soldes für jedes neue Verwaltungsjahr abhing. Das Ministerium North konnte im damaligen Parlamente mit Hülfe der Abgeordneten vom Lande stets auf eine dienstbereite Majorität rechnen, behandelte deshalb auch in allen entscheidenden Fragen die Legislative mit einer geflissentlich zur Schau getragenen Geringschätzung und trat namentlich nach Außen hin mit einer so absoluten Sicherheit auf, als ob gar kein gesetzgebendes Votum in England existirte. Gleichwohl aber konnte es sich seinen konstitutionellen Verpflichtungen nicht entziehen und legte deshalb schon Ende Februar 1776 die mit Braunschweig, Kassel und Hanau abgeschlossenen Verträge dem Hause der Lords und Gemeinen vor.
Suffolk hatte rechtzeitig Sorge getragen, den betreffenden deutschen Fürsten die formelle Nothwendigkeit dieser Maßregel in möglichst günstigem Lichte darzustellen. Man werde sie allerdings angreifen, sogar ohne jede Schonung und in sehr harten Ausdrücken; allein das sei in einem konstitutionellen Staate einmal nicht zu vermeiden und ändere im Uebrigen nichts an dem bestehenden Vertragsverhältniß, indem Löhnung und Subsidien nach wie vor bezahlt werden würden. Diese letztere Gewißheit beruhigte denn auch die deutschen Landesväter. Eine deutsche unabhängige Presse gab es zu jener Zeit nicht. Der in allen anderen Fragen entscheidende und unabhängige Hofrath Schlözer stand als Göttingen'scher Professor mit seinem „Briefwechsel“ auf Seiten des Königs von England, druckte also keine feindseligen Parlaments-Verhandlungen ab, und so hörten denn die Unterthanen nichts von der Charakteristik, welche die Minorität des englischen Parlaments von den deutschen Herrschern entwarf. Daran, daß die Mehrheit des gebildeten und denkenden Europa sie verachtete und durch die hier mitzutheilenden Verhandlungen sie erst recht verachten lernte, lag ihnen bei der guten Bezahlung herzlich wenig.
Die Verträge wurden im Hause der Gemeinen am 29. Februar 1776 zuerst debattirt. Lord North hatte bei Motivirung ihrer Einreichung auf die Nothwendigkeit der Maßregel hingewiesen und große Wirkungen von ihr erwartet. Es könne, sagte er, hier überhaupt nur auf die Beantwortung von drei an sich ganz klaren Fragen ankommen, nämlich:
1. ob die zur Miethe vorgeschlagenen Truppen nöthig,
2. ob die Bedingungen, auf welche hin sie beschafft würden, vortheilhaft seien,
3. ob ihre Stärke hinreiche, um die beabsichtigten Zwecke zu erreichen?
Ad 1. antwortete er, daß, da es die Absicht des Parlamentes sei, die amerikanischen Kolonieen zum Gehorsam zurückzubringen, dieselbe nicht besser als durch die Annahme dieser Maßregel erreicht werden könne, denn diese deutschen Soldaten seien wohlfeiler zu haben als englische Rekruten;
ad 2. kosteten die fremden Truppen, selbst abgesehen von ihrer verhältnißmäßigen Wohlfeilheit weniger als je vorher, zumal wenn der Krieg nur ein Jahr dauere;