ad 3. aber werde diese Streitmacht im Stande sein, vielleicht ohne fernern Blutverlust die Kolonien zu unterwerfen.

Lord Cavendish hielt die vorgeschlagene Maßregel in allen ihren Theilen für verderblich. Sie sei die erste beunruhigende Folge des amerikanischen Krieges und entehre England in den Augen von ganz Europa. Es müsse sich in der erniedrigendsten Weise an einige kleine deutsche Staaten wenden und sich Unwürdigkeiten gefallen lassen, die bisher noch nie einem gekrönten Haupte, geschweige denn dem Beherrscher eines mächtigen und reichen Königreichs geboten worden. Der Redner erklärte sich aus folgenden Gründen gegen den Vertrag: Einmal erhalte das Hülfskorps Bezahlung, ehe es nur marschirt sei, dann empfange es ein zu hohes Werbegeld per Kopf; ferner zahle man den kleinen Fürsten doppelte Subsidien, die selbst dann noch fortdauerten, nachdem die Truppen in ihre Heimath zurückgekehrt seien, und endlich führe man ein Korps von 17,000 Fremden in die Besitzungen der englischen Krone ein, ohne es der Kontrolle des Königs oder Parlaments zu unterwerfen, indem es laut Vertrag nur unter dem Kommando seiner Generale stehe.

Lord Irnham erörterte die staatsrechtliche Seite der Frage und erklärte die betreffenden Fürsten für nicht kompetent, solche Verträge, wie die zur Annahme vorliegenden, abzuschließen. Sie seien dem Kaiser Gehorsam schuldig und dürften ihr Land nicht einer Sache zu Liebe entvölkern, die in keiner Weise etwas mit dem Reiche zu thun habe, und welche dieses in den Augen Europa's verächtlich machen müsse als eine Pflanzschule für Menschen, die von Reicheren, aber Ungerechten und Sittenlosen gegen Bezahlung zur Unterdrückung der Schwachen und zur Aufrechterhaltung der Willkür gemiethet würden. „Ich will hier nicht von den Gefühlen jener Fürsten sprechen, die ihre Unterthanen für solche Zwecke zu verkaufen im Stande sind. Wir haben von Sancho Pansa's heiterm Wunsche gelesen, der für den Fall seiner Erhebung zum Fürsten bat, daß alle seine Unterthanen Mohren sein möchten, damit er sie alle verkaufen könnte und recht viel baares Geld in die Hand bekäme; aber dieser Wunsch, so lächerlich und unanständig er auch für einen Herrscher erscheinen mag, ist viel unschuldiger als die Handlungsweise der deutschen Fürsten, die ihre Unterthanen in einem zerstörenden Kriege opfern, und zu diesem Verkauf noch das Verbrechen hinzufügen, sie zur Vernichtung viel besserer Menschen, als sie selbst sind, auszusenden.“ Dann aber könne die Verpflichtung, im Nothfalle den Länderbesitz des Landgrafen zu schützen, sehr unangenehm werden. Wenn nun der Kaiser, über die Handlungsweise seiner Vasallen entrüstet, eine Exekution vornehme und an England Entschädigungs-Ansprüche mache? Dann sei der König von Preußen an seiner Thür, der offenbar die Gelegenheit ergreifen werde, die diesseitige Regierung zur Zahlung der Lstr. 600,000 zu zwingen, um die sie ihn bei dem letzten Friedensschluß gebracht haben solle. Die Verträge seien in jeder Beziehung nicht rathsam und sogar schmachvoll für die Nation; man müsse ihnen also unbedingten Widerstand entgegensetzen.

Während D. Hartley die vorgeschlagene Maßregel für die schmachvollste, unnatürlichste und heilloseste von allen bisher dem Parlament zur Annahme vorgelegten Vorschlägen erklärt, und während er vor den schlimmen Folgen warnt, welche eine derartige Hereinziehung fremder Mächte in den Streit haben müsse, und welche vor Allem jede Aussicht auf Wiederversöhnung abschneide, spricht James Luttrell sein Erstaunen darüber aus, daß sich das Ministerium jetzt an das Parlament wende, um 17,000 Deutsche nach Amerika zu senden. „Großer Gott, für welchen Zweck! Um 180,000 ihrer Landsleute zu Sklaven zu machen, von denen viele, um unsern Schutz zu suchen, ihren Tyrannen entflohen. Meine Schätzung ist noch sehr gering, denn indem ich von Georgia und West-Florida ausgehe, wo einige deutsche Niederlassungen sind, komme ich nach Pensylvanien, einer der blühendsten und größten unserer amerikanischen Kolonieen, von deren Bevölkerung mehr als die Hälfte Deutsche sind, die kaum englisch sprechen. Die deutschen Niederungen am Mohawk-Fluß, die sich hinter New-York und New-Yersey ausdehnen, sind sehr kultivirt und gelten als das beste Land jener Provinzen. Einige tausend Deutsche sind die Ansiedler und Verbesserer jenes Landes und die nächsten Nachbarn der fünf Nationen. Sie handeln mit ihnen, sprechen ihre Sprache, und die Voraussetzung ist sehr natürlich, daß sie die Indianer überreden werden, die Streitaxt gegen die Truppen des Königs zu ergreifen. Die Deutschen haben einige bedeutende Niederlassungen am Connecticut-Fluß, wenn auch nur wenige in Neu-England und im Norden leben. Es scheint mir durchaus unthunlich, diese Ansiedler durch Waffengewalt mit einer solchen Handvoll deutscher und englischer Streitkräfte erobern zu wollen, allein ich glaube, diese Maßregel bietet unseren gemietheten Truppen eine ausgezeichnete Gelegenheit zur Desertion, weil ihnen von ihren bereits angesiedelten Landsleuten Land und Schutz versprochen werden wird. Diese kriegerischen Transporte, die wir ausrüsten, dienen so gut wie die mit Pfälzern beladenen Schiffe dazu, Amerika mit Deutschen zu bevölkern. Es scheint mir deshalb keine gute Politik, diese fremden Truppen zu miethen, einmal weil sie fünf mal soviel von ihren Landsleuten in Amerika und viele Indianer veranlassen werden, in die Provinzial-Armee einzutreten, dann aber, weil sie desertiren und Land brauchen werden, wodurch wir also die gemietheten Truppen gegen uns bekommen.“

Das Ministerium gab zu, daß die Bedingungen hart und die Ausgaben stark seien, kam aber wiederholt auf die Nothwendigkeit der Maßregel zurück, da es sich im gegenwärtigen Stadium des Kampfes nur um die Frage handle, ob England Amerika aufgeben oder seine Souveränität über die dortigen Kolonien wiedererlangen solle.

Das Königreich habe immer fremde Truppen nöthig gehabt, meinte der Kriegsminister Lord Barrington — um seine Kriege zu führen und die Regierung zu stützen; im Lande selbst seien jetzt keine Rekruten zu haben, und wenn der Handel mit den fremden Truppen nicht so vortheilhaft gewesen sei, als er wohl habe sein können, so habe man, nur durch die Nothwendigkeit gezwungen, die von den fremden Fürsten vorgeschriebenen Bedingungen annehmen müssen.

Edmund Burke warf dem Ministerium mit vernichtendem Hohne vor, daß selbst zu einer Zeit, wo der Aufstand im Innern des Königreiches gewüthet und die völlige Auflösung der gesetzlich herrschenden Gewalt gedroht habe, kein so schimpflicher und theurer Handel abgeschlossen worden sei. Beim Beginne der Sitzung habe es geheißen, es solle kein fremder Soldat zur Bekämpfung der amerikanischen Kolonieen verwandt werden, jetzt könne auf einmal nichts ohne fremde Hülfe gethan werden, und zwar aus dem Grunde, weil diese letztere wohlfeiler sei. Zur Stunde lasse man auch den Vorwand der Wohlfeilheit fallen, denn es ergebe sich, daß England für jedes Tausend Fremder, die es in seinen Dienst nehme, gerade so viel bezahle als für fünfzehnhundert Eingeborene. Wenn Lord North beschuldigt werde, der Beförderer dieser Maßregel zu sein, so leugne er die Thatsache und behaupte, nur mit den übrigen Ministern des Königs gearbeitet zu haben; wenn sie aber einer andern Klasse Menschen zugeschrieben werde, so beanspruche er das ganze Verdienst dafür.

Oberst Barré, der alte Freund der amerikanischen Unabhängigkeit, fragte die Minister, ob das Tuch für die deutschen Truppen in England oder in Deutschland gekauft werden solle? Er bezweifle nicht, daß dieser Verkauf von Menschenfleisch sich für das Geschäft der Tuchfabrikanten von Hessen und Braunschweig als eben so vortheilhaft erweisen werde, als er sich schon gewinnreich für den Beutel der betreffenden Fürsten bewährt habe. Der König solle in einer Petition gebeten werden, seinen Einfluß dahin aufzubieten, daß die jetzt oder später in englischem Sold stehenden deutschen Truppen mit Tuch aus den englischen Fabriken bekleidet werden möchten. — (Es sei hier in Parenthese bemerkt, daß der König in Folge dieses Antrages den Landgrafen von Hessen auch aufforderte, das Tuch für seine Soldaten in England zu kaufen, daß dieser aber die Bitte, als außer jeder Beziehung zu seinem Vertrage stehend, kurzer Hand abwies.)

Der letzte Redner im Unterhause war der Alderman Bull, der vom Standpunkte des liberalen Londoner Bürgers aus die Verträge angriff. Der Krieg, sagte er, den man gegen Amerika führe, sei ein ungerechter; er stütze sich auf Unterdrückung und sein Ende werde Elend und Schande sein. Das Ministerium solle es nicht dahin bringen, daß die Geschichtsschreiber sagen, daß russische und deutsche Sklaven gemiethet worden, um die Söhne Englands und der Freiheit zu unterjochen, und daß unter der Herrschaft eines Fürsten aus dem Hause Braunschweig der nichtswürdige Versuch gemacht worden sei, jenen Geist auszurotten, der seine Vorfahren auf den Thron brachte und sie trotz Verrätherei und Rebellion dort befestigte.

Aber alle diese Appellationen an Ministerium und König halfen nichts, die Minorität war zu schwach, und mit 242 gegen 88 Stimmen wurden die Verträge vom Hause an das Committee of Supplies verwiesen, welches selbstredend am 4. März zu deren Gunsten berichtete.