Bei den Lords kamen die Verträge am folgenden Tage, am 5. März 1776, zur Verhandlung.
Der Herzog von Richmond beantragte zunächst, den König zu bitten, daß er Befehl gebe, den Marsch der deutschen Truppen und zugleich die Feindseligkeiten in Amerika einzustellen. Der Redner gab eine kurze Geschichte der mit dem Landgrafen von Hessen von 1702 bis 1762 abgeschlossenen Verträge, wies nach, wie sie bei jeder Gelegenheit ihre Forderungen erhöhten, bessere Bedingungen erpreßten und nie verfehlten, die frühere Erpressung als Präzedenzfall oder als Basis für einen spätern Vertrag aufzustellen. Das sei auch jetzt der Fall. Der vorletzte Vertrag habe die Subsidien nur für eine gewisse Zeit gewährt, der gegenwärtige verdoppele sie und werde England wohl anderthalb Millionen Pfund an Extrasubsidien kosten. Schlimmer als das seien aber der unbestimmte Wortlaut der Verträge, ihre zweideutige Ausdrucksweise und die darin aufgestellten gefährlichen Präzedenzfälle. Allerdings spreche der Vertrag von gegenseitiger Hülfsleistung und Bundesgenossenschaft, allein die betreffenden Ausdrücke seien nichtssagende Redensarten. Seinem Wesen nach sei der Vertrag nichts anderes, als ein nichtswürdiger Handel, um eine Anzahl Miethsknechte in Dienst zu nehmen, die gleich so und so viel Stück Vieh auf die Schlachtbank geführt werden sollten. Kein anderes gemeinschaftliches Interesse verbinde die beiden abschließenden Theile, als daß der eine möglichst viel Geld zahle und der andere möglichst viel erhalte. Aber selbst angenommen, daß die Verträge ein wirkliches Bündniß vorstellen sollten, was werde die Folge sein? England müsse im Falle eines Angriffes jenen Fürsten helfen, also für die Unterstützung von ein paar Tausend fremder Söldlinge nicht allein doppelt zahlen, sondern auch ihre Herren im Besitze ihres Gebietes schützen. Zu Ende des letzten französisch-amerikanischen Krieges habe Herr Mauduit berechnet, daß jeder französische Skalp 10,000 Pfd. gekostet habe. Die Lords möchten danach berechnen, was ein amerikanischer Skalp koste, wenn für 17,000 fremde Söldlinge anderthalb Millionen Pfund per Jahr zu bezahlen seien. Endlich aber sei die Gefahr vorhanden, daß Differenzen zwischen den Offizieren entstehen möchten und daß ein hessischer General den Oberbefehl erhalte, wenn dem Kommandirenden in Amerika etwas zustoßen sollte.
Lord Suffolk (der uns schon bekannte Minister des Auswärtigen) vertheidigte natürlich dem Vorredner gegenüber die Politik der Regierung. Es habe derselbe — sagt er — keinen einzigen gewichtigen und stichhaltigen Grund gegen die zur Annahme vorliegenden Verträge vorgebracht, noch ein einziges Beispiel angegeben, wo von den früheren Verträgen mit den betreffenden Fürsten im Wesentlichen abgewichen sei. Im Inhalte stimmten sie beide überein, nur enthalte einer der gegenwärtigen Verträge einige pomphafte, hochtönende Phrasen mehr. Die Absicht des Ministeriums sei kein Bündniß mit Hessen gewesen, sondern nur die, ein Korps Truppen zu miethen, welches der Krieg in Amerika nöthig gemacht habe. Wenn der Krieg in einem Jahre beendet werde, so sei der Handel äußerst vortheilhaft, weil dann nur eine jährliche doppelte Subsidie gezahlt zu werden brauche, die einer einfachen Subsidie für zwei Jahre gleich komme. Wenn nun der Krieg zwei Jahre dauere, so verliere die Regierung weder, noch gewinne sie, weil zwei Jahre doppelter Subsidien vier Jahren einfacher Subsidien gleich seien. Wenn aber der Krieg länger als zwei Jahre dauere, dann müsse er bekennen, sei der Vertrag unvortheilhaft für England. Aber selbst ungünstige Bedingungen müsse man hinnehmen, wenn man die Truppen brauche. Die Frage könne also nur lauten, ob man sie nöthig habe? Diese Frage müsse unbedingt bejaht werden. Zudem seien die Bedingungen, unter denen die Truppen geliefert worden, leicht und günstig, denn unter Berücksichtigung aller Umstände, der kurzen Frist, der Unannehmlichkeit des Dienstes in solcher Entfernung von Europa, sei er, der Redner, fast erstaunt, daß England diese Soldaten so billig erhalten habe. Der zum Schlusse vom Herzog von Richmond vorgebrachte Einwand zerfalle in sich, da der kommandirende General immer höher stehe als ein selbst im Dienstalter über ihm stehender General; die Gefahr, durch irgend welchen Zufall oder ein Unglück einen Fremden zum Obergeneral zu erhalten, sei also nicht vorhanden.
Der Earl von Carlisle stimmte mit der Ausführung des Lord Suffolk überein und wies darauf hin, daß, da einmal Zwangsmaßregeln gegen Amerika angewandt werden müßten, man auf das Ausland zur Beschaffung der außerordentlichen Werkzeuge zur Ausführung dieses Zweckes angewiesen sei. Die große Zahl der Hände, welche zur Betreibung der englischen Manufakturen täglich nöthiger werde, die geringe Erfahrung neu Ausgehobener und der Wunsch, die gegenwärtigen Unruhen so schnell als möglich zu beenden, habe die Verwendung fremder Truppen an Stelle der einheimischen als am geeignetsten erscheinen lassen. Kein unbefangen Urtheilender werde leugnen, daß England beim besten Willen nicht die erforderliche Anzahl Soldaten besitze, um die Operationen auszuführen, welche der Dienst in Amerika nothwendiger Weise verlange.
Des Königs Bruder, der Herzog von Cumberland, stimmte dagegen mit der Opposition. „Ich bin von Anfang an — sagte er — gegen jede Art Gewaltmaßregel gewesen, und mißbillige deshalb die Politik der Minister. Ich bedauere aus diesem Grunde auch, daß ich sehen muß, wie Braunschweiger, die einst zu ihrer eigenen großen Ehre die Freiheiten der Unterthanen so tapfer vertheidigten, jetzt ausgesandt werden, um die konstitutionellen Freiheiten in einem andern Theile dieses großen Reiches zu unterdrücken.“
Die übrigen Redner, wie der Herzog von Manchester, Earl von Effingham und Lord Camden, welche sich dem Herzog von Cumberland anschlossen, sagten mit Ausnahme von Lord Camden nicht viel Neues. „Wenn ich die Verträge recht verstehe — meinte dieser — so enthalten sie ein Uebereinkommen mit dem Herzog von Braunschweig, mit dem Landgrafen von Hessen-Kassel und dem Grafen von Hanau für eine bestimmte Anzahl Truppen zu einem bestimmten Preise. Um diesem Handel den Schein dessen zu geben, was er nicht ist, wurde das Ganze mit hochtönenden Redensarten von einer Allianz ausstaffirt, die sich auf gemeinschaftliche Interessen und gemeinschaftliche Hülfeleistung stützt, als ob diese kleinen Staaten beim Ausgang des zwischen uns und Amerika schwebenden Krieges irgend wie betheiligt wären. Die ganze Verhandlung ist nichts als ein Gewebe von Lug und Trug, wie es noch nie einem Hause des Parlaments aufgeschwindelt wurde; sie ist nichts als ein gemeiner Schacher für die Miethe von Truppen auf der einen Seite und der Verkauf menschlichen Blutes auf der andern Seite, und die armen in ihr Schicksal ergebenen Teufel, welche so für die Abschlachtung verkauft worden, sind armselige Söldlinge im schlimmsten Sinne des Wortes. Jetzt blicken Sie auf die Verträge in ihrem wahren Lichte, in ihrer ganzen Nacktheit! Wir bezahlen nicht allein mehr für diese Miethlinge als je vorher, sondern treten sogar, statt die uns gebotenen Vortheile zu benutzen, in ein Offensiv- und Defensiv-Bündniß mit jenen kleinen Fürsten, ja wir verpfänden die Ehre der Nation und setzen uns allen bösen Folgen eines Kontinentalkrieges aus. Aber schlimmer als das ist die Behauptung, daß wir die zur Durchführung des Krieges erforderlichen Mannschaften hier zu Lande nicht auftreiben können, und daß folglich die vorliegenden Verträge, welchen begründeten Einwendungen sie auch ausgesetzt sein mögen, eine bittere Nothwendigkeit für uns sind. Diese Behauptung als richtig vorausgesetzt, würde unsre Rettung ausschließlich von Fremden abhängen, und all unsre gerühmte Macht, Vorzüge, wie Reichthum und Ansehen im Ausland wären sehr wenig werth, ja wir könnten keine einzige Segnung äußerer Stärke oder innern Glückes länger genießen, als es unsere würdigen Freunde, die Soldatenvermiether, uns gnädigst erlauben würden. Ich bin einer entgegengesetzten Ansicht. Sollten wir aber wirklich von den Fremden abhängen, so sind auch unsere Freiheiten und unsere Unabhängigkeit dahin.“
So wenig sich auch gegen diese Anklagen und Beweisführung einwenden ließ, so blieb die Opposition doch mit 32 gegen 100 Stimmen bei der Abstimmung in der Minorität. Das Ministerium hatte offenbar darin Recht, daß, nachdem einmal beschlossen worden war, den Krieg zu führen, man auch die Soldaten zu seiner Durchführung beschaffen mußte, und daß diese in England selbst beim besten Willen nicht zu erlangen waren. Die parlamentarischen Gegner der Maßregel sahen zwar recht gut ein, daß ihr Widerstand die bereits feststehende Politik Englands nicht ändern würde, indessen benutzten sie die ihnen noch einmal gebotene Gelegenheit, ihrer Abneigung gegen den Krieg mit Amerika Worte zu leihen und die verlangten Truppen zu verweigern. Von diesem Gesichtspunkte aus muß man auch die nachstehende Adresse auffassen, welche die in der Minorität gebliebenen zweiunddreißig Lords an den König richteten:
„Wir, Ew. Majestät getreue und gehorsame Unterthanen und im Parlament versammelte geistliche und weltliche Lords, bitten gehorsamst, Ew. Majestät vorstellen zu dürfen, daß wir mit dem tiefsten Kummer die Verträge gesehen haben, welche Ew. Majestät auf den Rath Ihrer Minister mit ihren Durchlauchten, dem Herzog von Braunschweig, dem Landgrafen von Hessen-Kassel und dem Grafen von Hanau abzuschließen und diesem Hause mitzutheilen geruht haben.
„Wir erlauben uns gehorsamst, Ew. Majestät die Gefahr und Schmach vorzustellen, welche diese unbesonnene Maßregel im Gefolge hat, wenn es bei dem ersten Versuche Großbritanniens, seine Kolonieen zu unterjochen, schon für nöthig erachtet wird, eine Armee fremder Söldlinge zu miethen und dadurch vor ganz Europa anzuerkennen, daß diese Königreiche entweder aus Mangel an Menschen oder aus deren Abneigung für diese Art Dienst unfähig sind, eine für den ersten Feldzug hinlängliche Anzahl Eingeborener zu stellen. Zu gleicher Zeit ist es für uns eine traurige Betrachtung, daß die Herausziehung der nationalen Streitkräfte aus dem Lande (so schwach sie auch für den beabsichtigten unseligen Zweck sein mögen) das Königreich seiner Vertheidigung berauben und den Einfall mächtiger Nachbaren und fremder Völker preisgeben wird.