„Wir bitten ferner, Ew. Majestät gehorsamst vorstellen zu dürfen, daß, wenn auch die Gerechtigkeit und Billigkeit dieses unnatürlichen Krieges von einem so großen Theil Ihrer Unterthanen nicht in Frage gestellt wird, doch eine selbst von einzelnen Zugeständnissen begleitete Versöhnung mit den Kolonieen einer gesunden Politik weit mehr entsprechen wird, als daß man die Verfolgung der Feindseligkeiten Ausländern anvertraut, auf die wir uns nicht verlassen können, Ausländern, welche bei einer so großen Entfernung von ihrer Heimath und unter dem Einfluß der Strapazen des Krieges, der sie nichts angeht und ihnen so viele Versuchungen bietet, die Knechtschaft mit der Freiheit zu vertauschen, viel eher zur Meuterei und Desertion neigen, als treu und gewissenhaft mit Ew. Majestät geborenen Unterthanen handeln und kämpfen werden.

„Ebensowenig dürfen wir Ew. Majestät die Besorgniß verhehlen, die wir wegen der Tragweite einzelner in den verschiedenen Verträgen enthaltenen Artikel fühlen, wonach Sie die Macht haben, diese Truppen in irgend einem Theil vor Europa zu verwenden. Dadurch werden also Mittel beschafft, selbst in dieses Königreich eine fremde Armee einzuführen. Wir können aber Ew. Majestät Ministern nicht so weit vertrauen, um vorauszusetzen, daß sie zu gewissenhaft sein würden, um Ihnen eine solche Maßregel anzurathen, zumal sie schon fremde Truppen in zwei unserer wichtigsten und stärksten Festungen gelegt und sich erboten haben, noch 4000 Fremde ohne vorherige Genehmigung des Parlaments nach dem Königreich Irland zu schicken. Wir haben vielmehr gerechten Grund zur Befürchtung, daß die Kolonieen, wenn sie hören, wie England auswärtige Bündnisse eingeht und fremde Truppen zu ihrer Vernichtung miethet, sich für berechtigt halten werden, das gegebene Beispiel nachzuahmen und ähnliche Hülfe zu suchen; ja daß Frankreich, Spanien, Preußen und andere europäische Mächte sich ebensogut wie Hessen, Braunschweig und Hanau für befugt erachten werden, sich in unsern häuslichen Zwist einzumischen. Wenn dann, was sehr möglich ist, aus diesen Schritten die Flammen eines europäischen Krieges angefacht werden sollten, so denken wir mit Schrecken an die Lage dieses Landes, welches den furchtbaren Angriffen mächtiger Feinde zu einer Zeit Widerstand leisten soll, wo die Kraft und Blüthe der Nation auf der andern Seite der Welt zu nutzlosen Kriegszügen vergeudet wird.

„Sodann fürchten wir, daß der Vertrag, der dem Landgrafen von Hessen nicht blos im Falle eines Angriffes oder einer Beunruhigung in seinen Besitzungen allen in der Macht Ew. Majestät liegenden Beistand sichert, sondern diesen Beistand sogar so lange fortsetzt, bis der Landgraf volle Sicherheit und gerechte Schadloshaltung erlangt haben wird; daß dieser Vertrag das Königreich zwingt, ohne irgend eine Gegenleistung an jedem Streit auf dem Kontinent Theil zu nehmen, in welchen Seine Durchlaucht verwickelt werden sollte. Oder was für Hülfe könnte diese Insel von einem winzigen Ländchen im Herzen Deutschlands erwarten, aus welchem schon mehr Truppen gezogen sind, als es zu seiner eigenen Vertheidigung nöthig hat, und dessen Einkünfte nicht hinreichen, ohne die gezahlten Subsidien selbst diejenigen Soldaten zu unterhalten, welche es vermiethet hat? Es will uns deshalb scheinen, als ob diese Verpflichtung Großbritanniens zur Vertheidigung und Entschädigung des Landgrafen als ein Theil des Preises, zu welchem es die gemietheten Truppen bezahlt, angesehen werden muß. Wenn diese Kosten, die unmöglich abgeschätzt werden können, zu den enormen Ausgaben für Werbegeld, für Vervollständigung der in den verschiedenen Korps eingetretenen Verluste und für ordentliche und außerordentliche Subsidien, selbst nach der Rückkehr der Truppen in ihre Heimath, hinzugefügt werden, so können wir in Wahrheit sagen, daß England noch nie zuvor einen so kostspieligen, ungleichen, unehrenhaften und in seinen Folgen so gefährlichen Vertrag abgeschlossen hat.

Wir flehen deshalb Ew. Majestät unterthänigst an, sofortigen Befehl zu geben, daß die hessischen, braunschweigischen und hanauischen Truppen nicht marschiren, und daß die Feindseligkeiten in Amerika eingestellt werden, damit eine schleunige und dauernde Wiederversöhnung zwischen den streitenden Parteien dieses in sich zerrissenen Reiches angebahnt werden könne.“

Natürlich diente dieser Protest nur dazu, den Standpunkt der Minderheit zu wahren; auch er wurde mit 100 gegen 32 Stimmen von den Lords verworfen und blieb deshalb ein todter Buchstabe. Nachdem sich das Parlament einmal mit großer Majorität für die Zweckmäßigkeit der vom Ministerium befolgten Politik ausgesprochen und die drei ersten Verträge mit Braunschweig, Kassel und Hanau genehmigt hatte, standen den ferneren Truppenlieferungen seitens Waldeck's, Anspach's und Zerbst's um so weniger Hindernisse im Wege, als die betreffenden Verträge sich in ihren wesentlichen Bestimmungen an ihre Vorgänger anlehnten und zum Theil günstiger für England waren. Es genügt hier also die kurze Bemerkung, daß die drei letzten Verträge ohne jede Debatte von beiden Häusern angenommen wurden.

Uebrigens verhielt sich die öffentliche Meinung Europa's diesem Menschenhandel gegenüber im Ganzen ziemlich gleichgültig. Es waren nur die hervorragendsten Geister Englands, Frankreichs und Deutschlands, welche das Verbrechen in seiner ganzen Tragweite erkannten und an den Pranger stellten. Während die Worte der Opposition im englischen Parlament ungehört verhallten oder in den unvollständigen Berichten seiner Sitzungen begraben wurden, nahm ein zu jener Zeit in Holland lebender, kaum bekannter französischer Flüchtling, der zwölf Jahre später Europa's größter Volkstribun wurde, im Namen der Menschlichkeit und der Ideen des Jahrhunderts das Wort gegen England und die es bedienenden deutschen Fürsten. Dieser Mann war kein geringerer als Mirabeau, der revolutionäre Titan, der mit der alten Ordnung der Dinge kämpfte und sie endlich glücklich über den Haufen werfen half, damals noch nicht der vom Kampf ermüdete, vom Lebensgenuß erschöpfte Ringer, der mit dem unterliegenden Königthum einen Vergleich eingehen wollte. Seine der öffentlichen Meinung des denkenden Europa vorgelegte Anklage hatte gerade deshalb einen so unermeßlichen Erfolg, weil ihre begeisterten unwilligen Worte in der Sprache Rousseau's gedacht waren, weil ihre ganze Anschauung in der Philosophie jener Zeit wurzelte; sie wirkte deshalb so drastisch und unmittelbar, weil sie unbekümmert um Herkommen, Ueberlieferung und Geschichte die schlummernde Thatkraft in den Unterdrückten zu wecken suchte. Was uns jetzt als Phrase erscheint, war im Munde Mirabeaus und seiner Zeitgenossen das höchste Pathos.

Der Titel dieser vom Landgrafen von Hessen eiligst aufgekauften und darum höchst selten gewordenen Flugschrift heißt[6]: „Rath an die Hessen und die übrigen von ihren Fürsten an England verkauften Völker Deutschlands“. Ihr Inhalt folge hier unverkürzt; er lautet:

„Unerschrockene Deutsche! Welches Schandmal laßt Ihr Euch auf Eure edle Stirne brennen? Ist es dahin gekommen, daß am Ende des achtzehnten Jahrhunderts die Völker Mittel-Europa's die Söldlinge eines verhaßten Despotismus spielen? Ist es dahin gekommen, daß die braven Deutschen, die ihre eigene Freiheit so verzweifelt gegen die Eroberer der Welt vertheidigten und den römischen Heeren Trotz boten, gleich elenden Negern verkauft werden und ihr Blut im Interesse der Tyrannen zu verspritzen suchen? Ist es dahin gekommen, daß unter Euch Menschenhandel getrieben, Eure Städte entvölkert, und Eure Lande ausgesaugt werden, um übermüthige Lords in der Verwüstung einer andern Hemisphäre zu unterstützen? Wollt Ihr die blinde Verstocktheit Eurer Herren noch länger theilen? Ihr, wackere Soldaten! Die treuen und festen Stützen ihrer Macht! jener Macht, die ihnen nur zum Schutze ihrer Unterthanen anvertraut wurde! Ihr seid verkauft und für welchen Zweck? Gerechter Himmel! Wie Vieh in fremden Schiffen zusammengepfercht, werdet Ihr über's Meer geführt! Ihr trotzt den Klippen und Stürmen, um gegen Leute zu kämpfen, die Euch nicht gekränkt haben, die eine gerechte Sache verfechten und die Euch das herrlichste Beispiel geben! Ach! warum ahmt Ihr sie nicht nach, diese muthigen Männer, anstatt daß Ihr sie zu verderben sucht? Sie brechen ihre Ketten, sie kämpfen für die Wahrung ihrer natürlichen Rechte, für die Sicherung ihrer Freiheit. Sie reichen Euch die Hand entgegen; sie sind Eure Brüder; die Natur hat sie dazu gemacht und gesellige Bande haben diesen heiligen Titel bestätigt. Mehr als die Hälfte dieses Volkes besteht aus Euren Landsleuten, Freunden und Verwandten. Sie sind bis an's Ende der Erde geflohen, um der Tyrannei zu entgehen, und die Tyrannei verfolgt sie bis dahin. Unterdrücker, die ebenso habgierig als undankbar sind, haben Ketten für sie geschmiedet und die hochsinnigen Amerikaner haben Waffen aus diesen Ketten geschmiedet, zum Widerstande gegen die Unterdrücker. Die neue Welt steht daher im Begriffe, Euch zu den Ungeheuern zu zählen, welche sie aus Geld- und Blutdurst verheert haben! Deutsche, die Ihr Euch immer durch Biederkeit auszeichnetet, schreckt Ihr nicht zurück vor einem solchen Vorwurfe?

Muß man zu diesen Beweggründen, die auf alle Männer so überzeugend wirken, auch noch jene fügen, welche das Interesse von Sklaven ebenso nahe berühren, wie das freier Bürger? Wißt Ihr denn auch, welch ein Volk Ihr anzugreifen im Begriffe seid? Wißt Ihr wohl, welche Kraft im Fanatismus für die Freiheit ruht? Es ist dies der einzige Fanatismus, den man nicht hassen kann, sondern achten muß, und doch ist er der mächtigste unter allen Arten von Fanatismus. Ihr kennt ihn nicht, blinde Menschen, die Ihr vor dem gehässigsten Despotismus kriecht, welcher Euch zum Verbrechen treibt, und Euch doch noch frei dünkt; Ihr kennt ihn nicht, Ihr, welche die Laune der Habgier eines Despoten gegen Leute bewaffnen kann, die sich um das ganze Menschengeschlecht verdient machen, weil sie dessen Sache verfechten und ihm ein Asyl bereiten.

Oh ihr Söldlinge und Tyrannenknechte! Entnervte Europäer! Ihr geht zum Streit gegen Männer, die stärker, tüchtiger, kühner und rascher sind als Ihr möglicher Weise sein könnt! Sie sind von großartigen Interessen beseelt, Euch leitet nur schmutziger Gewinn; sie vertheidigen ihr Eigenthum und kämpfen für ihren häuslichen Heerd, Ihr verlaßt Euren Heerd und kämpft nicht für Euch selbst. Sie führen Krieg im Schooße ihres Vaterlandes, unter einem gewohnten Klima, unterstützt von allen Hülfsmitteln, welche die Heimath bietet, und zwar gegen eine Bande, welche der Ozean ausgespieen hat, nachdem er sie zur Niederlage reif gemacht. Die mächtigsten und heiligsten Beweggründe entflammen ihren Muth und leiten ihre Schritte zum Sieg. Führer, die Euch verachten, während sie Euch benützen, werden der unwiderstehlichen Beredsamkeit der Freiheit, des Bedürfnisses und der Nothwendigkeit, nur leeren Wortkram entgegenzusetzen haben. Endlich, um das Ganze in ein Wort zusammenzufassen, ist die Sache der Amerikaner eine gerechte, während Himmel und Erde diejenigen verdammen, die zu unterstützen Ihr Euch nicht schämt.