„Nur ganz kurz.”

„Geht's ihm gut? Ist er heiter?”

„Ich wollte Sie dasselbe fragen. Ist er nicht hierhergekommen?”

„Nein.”

„Nicht hierhergekommen? Er wollte von Genf hierher zu Ihnen fahren.”

„Nein, er ist in Thüringen. Und es ist gut so. Ich wollte ihn auch gar nicht hier haben. Selbst nicht Richard, niemanden, denn — wissen Sie, manche Dinge muß man eben allein durchkämpfen. Aber Sie — ja, grade Sie habe ich mir oft herbeigewünscht.”

„Mich?”

„Ja, Sie, liebe Elisabeth. Sehen Sie, wenn man so wie ich dem Tode nahe war, da wird man einfach und wahrhaftig. Wieviel Phantasterei hat mein Leben unstet gemacht! Und wie fest und gütig sind Sie Ihren Weg gegangen, Sie Gute!”

Elisabeth war verlegen. Sie kannte den Gefühlsüberschwang dieser künstlerischen Frau; sie wagte daher nicht zu entscheiden, wie weit diese Gefühle echt und von Dauer waren. Diese Salondame hatte so viel Talent, ihre Gefühle in Worte zu fassen; und sie selbst, Elisabeth, war so wortarm. Sie war hierhergekommen in dem dumpfen Drang, mit dieser Frau um Ingo zu ringen; es war das erstemal in ihrem Leben, daß sie einen Schritt für sich selber tat. Freilich war in ihr das Mitleid mit der Kranken gleich nach den ersten Sekunden hochgestiegen, und sie wußte nun gar nicht, wie das Gespräch weiterführen.

„Es ist sehr gütig von Ihnen,” sagte sie, „in dieser Weise zu mir zu sprechen. Ich muß allerdings gestehen — ich habe — früher — —”