„Aber als Sturmegg, nicht als Baron Stein?”
„Nur als Sturmegg, Exzellenz!”
Stein-Sturmegg verbeugte sich. Es zuckte unverhohlenes Lachen um seine Mundwinkel; er nahm diese Dinge nicht mehr ernst.
Der Generalintendant der Königlichen Schauspiele verbreitete sich in fein gewählten Worten über die fabelhaften Aufgaben, die von den Königlichen Theatern jährlich geleistet werden, um inmitten der internationalen Zersetzung wahrhaft hohe Kunst durchzuführen und vornehme deutsche Talente zu entdecken und hochzubringen. Dann empfahl er dem Spielmann mit entschiedenem Wohlwollen Stoffe aus der Geschichte der Befreiungskriege oder der Hohenzollern; und während er mit Geschick plauderte, suchten seine Augen in der Umgebung, auf wen er die Fortsetzung des allmählich unbequemen Gespräches abschieben könnte; er winkte einen schriftstellernden Major a. D. heran, den er dem Spielmann vorstellte und als Vorbild empfahl, worauf er sich selber zurückzog, offenbar von Ingos freimütiger und ironischer Tonart nicht gar angenehm berührt.
Am Gespräch über Literatur beteiligten sich einige Herren mit modern gestutzten Haaren auf den Oberlippen, so daß sie in dieser Zahnbürstchenform der Schnurrbärtchen auffallend einander glichen. Man sprach über die beträchtlichen Kosten einer Meyerbeer-Aufführung an der Königlichen Oper, über die nicht minder bedeutenden Kosten eines assyrischen Ballets, über reizende Lustspiele wie „Husarenfieber” und „Wieselchen” — oder war es „Lieselchen”? Der beschämte Troubadour kannte nicht einmal die Namen.
Dann ging man zu einem Gebiet über, auf dem man sich sicherer fühlte: zu Einzelheiten der Jagd; gähnte auch verstohlen und spähte auf die Uhr, ob denn wohl endlich das Festmahl beginnen mochte. Kurz, es war zu irgendwelcher geistigen Vertiefung weder Ort noch Anlaß. Und der Freiherr suchte vergeblich eine Einbruchsstelle, wo er mit Kanonen oder Kavallerie des Geistes hätte wirken können.
Jetzt kam der Augenblick, wo der Freiherr von Stein, vom Oberburghauptmann vorgestellt, den festen Händedruck seines Kaisers spürte und ihm in Audienz gegenüberstand.
Trotzendorff strahlte.
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Im Zimmer seines Gasthofes schritt Ingo wieder auf und ab, in leichter grauer Litewka, wie er sie im Hause zu tragen pflegte.