„Richard, nun hör' einmal zu, nun will ich dir ein sehr ernstes Wort sagen! Ich habe seit geraumer Zeit mit dir und deiner Gattin, also mit meinen nächsten Freunden, in einem Kampf gestanden: in einem Kampf um Selbständigkeit. Verstehst du? Mit Friedel war die Auseinandersetzung von besondrer Art; das haben wir schon in Lourdes abgetan. Nun merke auch du dir, mein Bester: in irgendwelchen höfischen oder staatlichen Mechanismus wirst du mich niemals einfangen! Niemals! Ich gehöre nicht dahin. Das hab' ich heute da oben auf der Wartburg klar und deutlich erkannt — erkannt? Nein, erlebt!”

„Aber, Junge, hat man dich denn irgendwie unliebenswürdig behandelt?”

„Im Gegenteil! Ich werde immer mit Vergnügen an diesen Tag zurückdenken.”

„Also —?! Du bist selber strammer Soldat gewesen: willst du es etwa dem hohen Herrn verargen, daß er ganz besonders auf Jagd, Armee, Marine eingestellt ist?”

„Wie sollt' ich denn! Es wird in Deutschland genug gekrittelt — sollt' ich mich auch noch zu den Nörglern und Hetzern gesellen?! Ich liebe und achte meinen Kaiser. Aber” —

„Aber —?”

„Aber die Stimmung, die jetzt für ein seelisches Deutschland herausgearbeitet werden muß, läßt sich nur in der Stille gestalten. Wir müssen uns auf Arbeitsteilung einigen. Von innen heraus, Richard, von innen heraus muß die Erneuerung des Zeitgeistes versucht werden! Weder von oben noch von unten! Weder Cäsaren noch Demokraten können das Reich Gottes bauen. Denn sie haben es mit den Massen zu tun, nicht mit der Seele. Erneuerung von innen heraus!”

Er sprach mit eindringlichem Ernst.

Aber Trotzendorff lief zornig davon.

„Noch eins, Richard!” rief ihm Ingo übers Treppengeländer nach. „Weißt du, daß der kleine Marx oben war — Kommerzienrat Marx?”