„Bitte: Geheimrat Marx! Sehr beliebt! Gibt unmenschlich Geld für große Zwecke! Der fliegt rascher die Leiter hinauf als du deutscher Michel! Ade!”
Und mit dröhnenden Stiefeln war er fort.
Und das Auto raste — und das Gewitter raste — und Ingo lag auf dem Diwan, hatte die Hände hinter dem Kopf und starrte zur Decke empor.
Er war ernst.
Ja, er war ernst bis zur Schwermut.
Diese Automobile waren davongefaucht und hatten den Spielmann Ingo von Stein als unverwendbar und überflüssig irgendwo am Wege liegen lassen.
Was hatte er denn eigentlich erwartet? Nichts. Doch hatte ihn Trotzendorff und dessen brave, aber unklare patriotische Romantik, Trotzendorff, der angebliche Tatsachenmensch, immerhin mit einer gewissen Erwartung angesteckt. Diese Erwartung hatte sich freilich rasch verflüchtigt, sobald er einige Minuten die Hofluft selber, den Geist, den Duft, die Essenz dieser höfischen Welt auf sich hatte wirken lassen. Es war von dort zu seiner eigenen Welt der heiligen Stille keine Brücke zu finden.
Man hatte in diesem übervollen Deutschland Leute genug, übergenug; man hatte Kenntnis und Kunst übergenug. Was wollte sich da noch ein einzelner Sonderling und Fremdling hinzudrängen?
„Ich bin durch Nordland und Riviera, durch Lourdes und Montserrat-Stimmung dankbar hindurchgegangen und nicht darin stecken geblieben”, sprach er zu sich selber. „Ich habe Friedel viel zu danken, bin Richard von Herzen gut und dem Sonderling Bruck zugetan. Warum find' ich denn nur nicht den Zugang zum Herzen dieser deutschen Gegenwart? Warum vergißt das moderne Deutschland seine besondre europäische Sendung? Warum geht es nicht mehr führend voran in jener durchgeistigten Gemütskraft, die man ehedem deutschen Idealismus genannt hat?”