„Von Tristan und Isolde
Kenn' ich ein traurig Stück,
Hans Sachs war klug und wollte
Nichts von Herrn Markes Glück” ...
Hier brach der Sänger ab und ging in ernstes Phantasieren über, beginnend mit den Anfangsakkorden von Tristan und Isolde, die ja hier im Orchester der Meistersinger ertönen, überleitend zum Karfreitagszauber, dann Erinnerungen von Lourdes und vom Gralsberg verwebend mit eigenen fremdartigen Phantasien, die zu einem Lieblingswerk von Elisabeth hinüberführten, der Nänie von Brahms: „Auch das Schöne muß sterben, das Menschen und Götter bezwinget.”
Hier sprang er auf.
„Doch nicht diese wehmutvollen Chöre sind der rechte Abschluß! Jetzt setzt meine Orgel ein.”
Und mit feierlichen und großen Choralphantasien am Meisterharmonium machte er den Beschluß.
Trotzendorff lag im Polsterstuhl, nickte behaglich und war einem gemächlichen Halbschlummer nahe. Der Abend mit seinem milden Schneelicht fing sachte an, in lange Dämmerung überzugehen. Frau Elisabeth saß in ihrer üblichen graden Haltung und verwandte kein Auge von den Künstlern am Klavier, besonders von Frau Friedel. Und als nun Ingo aufstand, erhob sich rasch auch seine Gattin, deren Geist insgeheim gearbeitet hatte; sie kam heran, legte einen Arm um die Freundin und den andren um Ingo und küßte beide mit einer wortlosen Zartheit, denn sie hatte die Sprache der Musik verstanden.
„Wenn ich doch nur die Hälfte deines Talentes hätte!” seufzte sie dann, den Kopf an Frau Friederikens Wange legend.
„Gutes Kind, wieviel hast du im Herzen!” erwiderte die Künstlerin. „Darf ich manchmal zu dir kommen und Wärme holen, Elisabeth? Es gibt Menschen, nach denen man Heimweh bekommt, wenn man mit ihnen zusammen war — du gehörst zu diesen seltenen Menschen.”
Ingo brachte das Ehepaar persönlich im Wagen an den kleinen Bahnhof.
„Ernste Zeiten, Ingo! Wartezeit! Aber ich denke, wir stehen unsren Mann!” war Richards letztes Wort.