„Aber, aber — spricht das meine großherzige Elisabeth? Möchtest du das wirklich? Möchtest du mir etwa meinen lieben alten Konsul Bruck ersetzen und Geister schauen? Oder Trotzendorff? Möchtest du das? Seit wann will mir denn Elisabeth, die mir immer so viel Freiheit gelassen hat, jetzt zu guter Letzt Frau Friedel überflüssig machen? Sind nicht die Freunde da draußen der Stolz unsres Hauses? Die Guten, die zu uns gehören?”
„O ja, du hast recht! Das will ich nicht, wirklich nicht! Im Gegenteil! Vergib, du hast mich da auf einer rechten Schwäche ertappt! Ich dachte nicht, daß du schon so früh zurück wärest.”
„Ich habe ja die Pferde gejagt, daß sie dampften, so sehnt' ich mich, mit meiner Einzigen allein zu sein! Du, mit deiner Seele voll Musik! Hast du nicht Verständnis für große Kunst von Bach bis Brahms — genügt das nicht? Will meine Hausfrau auch noch Sängerin sein? Und daß Meister Wilhelm Raabe dein Lieblingsschriftsteller ist — stellt das nicht deinem literarischen Geschmack ein gutes Zeugnis aus, du Stille im Lande? Komm, küsse mich! Dein Kuß ist Musik, du Süßeste der Süßen! Wir sind wieder allein!”
Und sie sagten sich innige Worte.
Dann gingen sie Arm in Arm in Ingos Arbeitszimmer.
„Hier ist etwas, was dich interessiert, Elisabeth. Da hat mir der Architekt den Plan unsres künftigen Hauses geschickt, den er nach meinen eigenen Angaben ausgearbeitet hat.”
Er breitete den Grundriß über den Tisch aus; und die Gatten vertieften sich in den groß und persönlich angelegten Zukunftsbau.
„Es sieht aus wie ein großes lateinisches T”, bemerkte Elisabeth, „mit einem kleinen Kreis über der Mitte des oberen Querbalkens. Oder wie ein Mensch mit ausgestreckten Armen.”
„Sonderbar, nicht wahr?” versetzte er. „Am Fuße ist der Haupteingang; ein Korridor läuft im Stamm entlang und in den Seitenarmen. Im Kreuzungspunkt ist die Treppe nach oben; dort ist der Vorraum zur Tempelrotunde, die durch diesen Kreis dargestellt wird.”
„Ein Tempel?”