Frau Friederike war herangekommen. Es war heute abend in ihrem Wesen etwas wie nervöses Fieber.

„Richard hat recht”, sagte sie hastig. „Wir müssen dich unter Aufsicht nehmen, lieber Ingo, wir müssen dich mit Gewalt an die rechte Stelle schieben. Die Sache wird gemacht! Du kennst meinen Alten, der läßt nicht locker, wenn er etwas im Kopf hat!”

„Hier steh' ich nun wie Buridans Esel zwischen den zwei bekannten Heubündeln”, lächelte Stein. „Die Lockung dort heißt Barcelona — die Lockung hier heißt Wartburg. Wohin?”

„Nach Deutschland, Ingo! An deine deutsche Aufgabe!”

„Hat mich nicht gerade Friedel aus Deutschlands Enge herausgeschmeichelt?”

Doch Frau Friederike schob ihren Arm unter den seinen und entführte ihn samt ihrem Gatten aus der Riviera-Gesellschaft.

Aber sie konnte sich oben, als sie einander Gute Nacht sagten, nicht enthalten, noch einmal nach den hübschen jungen Mädchen zu fragen, die ihn so lebhaft entflammt hatten. Er warf lachend einige beschwichtigende Worte hin; doch ihr entging nicht, daß er errötet war, und sie schied mit langen, schweren Blicken ...

Das Gewitter war vertost. Von den Stauden und Palmen troff noch die himmlische Feuchtigkeit; das Meer rauschte bedeutend.

Stein atmete auf seinem Balkon die würzige Nachtluft ein und verglich die muntren Mozart-Mädchen auf jenem offenen, hellen Hügel mit diesem drückenden Salon-Parfüm und Salon-Geschwätz dieser Riviera-Hotels und Riviera-Spielhöllen. Und in der Ferne vernahm er ununterbrochen das ozeanische Brausen der Titanic-Katastrophe.